Meinung: Wie man was wird

E
inige unterschiedliche, doch be zeichnende Ereignisse beschäfti gen in diesen Tagen die Gedanken der Kulturinteressierten. Da wird eine neue Leiterin der Wiener Stadtbibliothek bestellt, die beste Beziehungen zum Kulturstadtrat hat. Eine recht fähige Dame, der Rest ist purer Zufall. Wir hören es mit Staunen.

Nächster Fall: Am 7. April ist die Ausschreibungsfrist für die Geschäftsführung der Art-for-Art, Service-Gesellschaft der Bundestheater abgelaufen, wochenlang blieb es ziemlich ruhig. Jetzt konstituiert sich eine stattliche Kommission, um aus den rund 30 Bewerbungen den am besten geeigneten Kandidaten herauszusuchen. Der ist nach Ansicht vieler bereits im Amt, aber leider ein SP-Mann. Diesen weiter zu ertragen, kann man Kunststaatssekretär Morak (V) nun wirklich nicht zumuten. Der SP-Mann muss wohl fallen. Praktischer Nebeneffekt: Ein harter Rationalisierer in den Bühnen- und Kostümwerkstätten der Bundestheater erspart vielleicht dem Bund noch einige Zeit eine Budgeterhöhung für die Staatstheater.

Ja, und dann ist da noch Fall III: Die Salzburger Festspiele suchen einen neuen Intendanten. Die Ausschreibungsfrist ist noch nicht abgelaufen, da wird schon der Burgtheaterdirektor für das Amt gehandelt. "Ein Gerücht!", ruft dieser. Wir glauben es, sind aber doch gespannt, wie der parteipolitische Deal hier ausschauen wird. Ungelegen kommt auch, dass Bachlers Burg-Vertrag bis 2009 läuft, jener des jetzigen Festspiel-Intendanten Peter Ruzicka aber 2006 zu Ende ist. Wird sich alles richten lassen.

W
as lernen wir aus allen diesen Begebenheiten? Die Repräsen tanten der SPÖ machen, siehe Stadtbibliothek, was sie die letzten Jahrzehnte schon gemacht haben, eine knallharte sozialdemokratische (Personal-)
Politik. Mit der satten SP-Mehrheit in Wien ist das nicht schwer. Die Repräsentanten der VP, nunmehr mächtiger als die letzten Jahrzehnte, machen dasselbe, wer will es ihnen verargen? Rache ist süß. Man könnte es auch nobler ausgleichende Gerechtigkeit nennen.

Was aber bedeutet es für die Bewerber bei den neuerdings so beliebten Ausschreibungen, die angeblich einer Objektivierung der Auswahlverfahren dienen? Sie müssen gut sein, eh kloar, aber ohne Vitamin P (!) geht nichts.

Was diesfalls bedeutet, den Draht zur richtigen Partei zu haben, noch besser, gleich zu mehreren. Erschüttern kann das keinen mehr. Nur eines bitte: Schluss mit den Ausschreibungen, auf dass man sich international nicht lächerlicher mache als unbedingt notwendig. Heißt eh schon überall, ach ja die Österreicher, viel Geld für Kultur, aber diffuse Verhältnisse. Und das ist doch, wie man sieht, ein übles Vorurteil!

barbara.petsch@diepresse.com

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