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er jüngste Favorit für die Salzbur ger Festspiel-Intendanz heißt, kein Witz, Jürgen Flimm (63). Was gegen ihn spricht: Er gehört zwar zu den Theater-Neuerern der Sixties wie Stein, Zadek, Peymann & Co.. Revolutionären oder reformerischen Elan zeigen seine Inszenierungen aber schon länger nicht mehr.
Freilich: Ein Festspiel-Intendant muss nicht der erste Regisseur sein. Womit wir bei dem wären, was für Flimm spricht: Der langjährige Intendant des Hamburger Thalia Theaters weiß, wie man sich in Strukturen bewegt - und was man bewegen kann. Er ist ein versierter Spielmacher, auch ein Förderer der Jungen. Er wird sich in Salzburg mit klaren Konzepten einstellen, sie realisieren und den Laden nicht durcheinander bringen.
Bei kulturpolitischen Berufungen gewichtiger Art gibt es immer diesen gewissen Punkt, wenn nach heftigem Gezerre eine Entscheidung fällig ist. Dieser Punkt sollte jetzt bald erreicht sein. Zuvor ist einiges schief gelaufen: über den Münchner Opernchef Peter Jonas hantelte man sich weiter zum Burgtheaterdirektor Klaus Bachler und zum Dirigenten Franz Welser-Möst - grub sich immer mehr ein in parteipolitische Frontstellungen und solche zwischen Salzburg und Wien, statt zu klären, was genau gewünscht wird.
Eine Ernennung Flimms würde wenigstens dies eindeutig klar machen: Am Status quo solle sich möglichst wenig ändern. Konkret heißt das: Helga Rabl-Stadler könnte Festspiel-Präsidentin bleiben. Sie hat sich nicht nur durch die Gewinnung von Sponsoren Verdienste erworben, sondern vor allem ist sie die Stimme Salzburgs im Direktorium.
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alzburg will also Salzburg bleiben. Es will einen Intendanten, der we der die Wiener Philharmoniker nervt noch die Präsidentin aushebeln will. Es will einen integrativen Chef, der sich halbwegs mit allen Genres - Oper, Konzert, Schauspiel - auskennt, auch mit dem, was dahinter steckt - und der mit allen kann. Das wäre Flimm - wiewohl es schon seltsam ist, dass man statt des angeblich zu viel anderweitig beschäftigten Peter Ruzicka nun einen Festspiel-Leiter wählt, der etwa als Intendant der Ruhr-Triennale ebenfalls noch andere Aufgaben zu bewältigen hat als Salzburg. Freilich, so richtig logisch war ja dort noch nie was. Am Ende muss man immer wieder froh sein, wenn kein allzu krasser Blödsinn heraus kommt.
Für die Zeit nach Flimms mutmaßlich fünfjähriger Intendanz 2012 - er ist dann 71 - sollte man sich aber wirklich zu einer Erneuerung aufraffen.
barbara.petsch@diepresse.com