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nna ist allergisch auf Erdbeeren. Vicki verträgt keinen Apfelsaft. Mia und Sofie sind Vegetarierinnen. Sofie ist außerdem noch allergisch auf Kuh-Milchprodukte. Vicki isst kein Gemüse, nur Schnitzel und Palatschinken. Sofie steht auf Broccoli-Auflauf mit Schafskäse, Mia auf Pizza - und Anna auf Würstchen. Man kann nur hoffen, dass bei einer derart kulinarisch wählerischen jungen Generation nie eine Hungersnot ausbricht.
Die junge Generation. In Miss, einer Zeitschrift für junge Erwachsene, war zu lesen, dass zwar noch unklar ist, was folgt auf die Generation X und die Generation @, dass in jedem Falle aber die Jugend "weiß, was sie will", ferner dass sie "witzig, echt, kaufsüchtig, ehrlich ist". War das nicht immer so? Irgendwie schon. Nur die Slogans wechseln.
Woher kommt eigentlich diese permanente Trend-Sucht, gerade bei der Jugend? Klar, weil sie die gefragteste Gruppe für die Werber ist. Und eigentlich will ja jeder dazugehören, warum würden sonst selbst Senioren das Prädikat "Junge Alte" begehren? Sammelte sich früher alles in der Mitte, strebt nun jeder nach Jugend, Adoleszenz.
Der Konsumismus wird zwar ständig propagiert, aber so weit her ist es damit gar nicht. Viele Menschen in hiesigen Breiten von reichlich "Zeug" umzingelt, sind sehr misstrauisch geworden gegenüber Neuerwerbungen - andere wieder können sich keine (oder keine mehr) leisten.
Auf die Gefahr hin des allseits beliebten "Trendismus" geziehen zu werden: Es gibt, ob alt oder jung, einen Typus, der sehr selektiv konsumiert und seine Interessen Dingen zuwendet, für die wenig oder kein Geld vonnöten ist.
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er, sagen wir, nur Grünzeug isst, laufen geht, nicht (mehr) ver reist, den Job als periphere, temporäre Angelegenheit betrachtet, weil die Chancen auf einen guten Job nicht allzu toll sind - stattdessen sich spirituellen oder esoterischen Fragen zuwendet, der kommt als Konsum-Mensch alter Art kaum mehr in Frage. Fällt dann noch nach schlechten Erfahrungen oder aus allgemeiner Vorsicht die Familiengründung als Anker weg - und wird ersetzt durch das, was eben Spaß macht und keine Verpflichtungen nach sich zieht, ergibt sich mit der Zeit eine beträchtliche Umwälzung für eine Gesellschaft, die auf Produktion, Kauf und Verbrauch von Gütern aufgebaut ist.
Was diese Gesellschaft überhaupt ausmacht, ist immer schwerer zu erfassen, weil sie in unzählige untereinander wieder verästelte und verzweigte Segmente zerfällt. Die neuen Konsumenten, eine disparate Gruppe, die sich wie ein Kaleidoskop ständig verändert.
barbara.petsch@diepresse.com