Meinung: Klimt oder der verfahrene Karren

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as du auch tust, tu es mit Be dacht und bedenke das Ende. An diesen Spruch fühlt man sich erinnert, wenn man die Causa Klimt betrachtet. Es geht um sechs wichtige Gemälde aus der Österreichischen Galerie, die von Maria Altmann (88), Nichte des von den Nationalsozialisten vertriebenen Zucker-Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer, zurückverlangt werden. Die bewegende Geschichte dieser Familie ist in einem Buch Hubertus Czernins nachzulesen.

Der Restitutionsbeirat des Bildungsministeriums lehnte die Rückgabe der Gemälde ab. Ein Verfahren in Österreich konnte sich Altmann nicht leisten. Daraufhin nahm sich ein Anwalt in den USA - wo die Advokaten auf Erfolgsbasis arbeiten - der Causa an. Seither läuft ein Prozess, der sehr viel Geld kostet und sich noch lang ziehen kann.

Der jüngste Stand der Dinge ist die Einschaltung eines Mediators. Man kennt das von Scheidungsprozessen, wo sich einst Liebende wutentbrannt gegenüberstehen und einander das letzte Hemd ausziehen wollen. Ganz so weit ist es noch nicht zwischen den Streitparteien um die Klimt-Gemälde. Aber rein atmosphärisch hat man den Eindruck, da sind enorme Leidenschaften im Spiel, wenn man mit den Vertretern beider Parteien spricht. Da gibt es zu denken, wenn man hört, dass nun in der Finanzprokuratur jener Anwalt abgelöst werden könnte, der sich höchst engagiert seit Jahren mit der Causa befasst.

Plant Österreich eine Wende? Denkt man an ein Ausstiegsszenario? Dämmert es einigen politischen Vertretern, dass bestimmte Themen in den USA fundamental anders betrachtet und behandelt werden als in Österreich, wo man in solchen Fällen gebetsmühlenartig das Ende der Debatte zu fordern pflegt?

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ie juristischen Experten haben genug gesprochen. Wir glauben ihnen, den österreichischen, den amerikanischen. Den österreichischen, die sagen, Österreich ist ein Rechtsstaat, ein Testament ist ein Testament. Den amerikanischen, die sagen, Unrecht verjährt nicht. Irgendwo dazwischen muss es einen Kompromiss geben. Hoffentlich wird er mit Hilfe des Mediators gefunden. Das Gefühl sagt: zurückgeben.

Denn für diesen Fall wie für Scheidungsprozesse gilt: Recht haben ist nicht alles. Und wenn man sich geeinigt hat, dann können auch all jene zufrieden sein, die diese ganze Sache vollkommen leidenschaftslos betrachten und sich bloß fragen, ob es angemessen ist, in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten derartige Summen zu verprozessieren.

barbara.petsch@diepresse.com

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