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hristina Stürmer, Zweitplatzierte von Starmania 1, polierte mit ih rem Album "Freier Fall" 2003 die österreichische Statistik für Musik-Verkäufe. Also genauer gesagt fiel der Rückgang geringer aus als in den vergangenen Jahren.
Die bösen Schwarzbrenner sind schuld. Das sind nicht mehr die mit dem Schnaps, sondern CD-Piraten, die daheim insgeheim ihre Tonträger brennen.
Jedenfalls: Ein Erfolg für Christina, die dem Donna-Summer-Song "Hot Stuff" ein knalliges Comeback verschaffte. Drauf folgte das deutschsprachige Album "Freier Fall". Nur eine Schlager-Sammlung, gewiss. Dennoch: Was wird denn da so transportiert? Erziehungsberechtigten und anderen Zartbesaiteten dürfte der Anti-Kriegs-Song Mama (Ana Ahabak) schwer aufs Gemüt schlagen.
Sixties-und Post-Sixties-Oldies dürften sich amüsieren über "Anzug". Ein Mann im Nadelstreif "turnte" vor 30 Jahren noch kein "Girl" an. Da sind sie ganz schön konservativ, die Kids.
In der Liebe hat sich seit den Zeiten, als unsereins Bravo gelesen hat, nicht allzu viel geändert: Es ist schon witzig, wenn ein Schippel neunjähriger Gören inbrünstig und im Chor schmettert: "Ich lebe, weil du mein Atem bist . . ."
Sind die aber früh dran. Höchste Zeit, da mal was aufzuklären. Oder verstehen Sie gar nicht, was sie da singen? Ebenso wenig die verklausulierte Uralt-Botschaft in der Herz erwärmenden Eigenkomposition des Starmania-1-Siegers Michael Tschuggnall mit dem Titel: Tears of Happiness. Die Message lautet wie einst: Süßes Mädchen, stell Dich nicht so an . . .
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as blieb vom guten alten Austro pop? Ehrlich gesagt, allzu sehr geht er einem nicht ab. Eine gewisse Biederkeit strahlt er aus im Vergleich zu den neuen Formaten. Klar, Ohrwürmer von Ambros bis Minisex bleiben im Gedächtnis - und natürlich Falco, der einsame King, musikalisch wie poetisch eine Kategorie für sich.
Weniger satirisch, lyrisch, auch weniger kabarettistisch, so präsentiert sich die Starmania-Gruppe. Für ihre Klientel sind sie die großen Geschwister. Sponsoren sollen sich bei Starmania-1 gewundert haben, die Show war für Teenies gedacht, begeisterte aber vor allem die Kleinen. Und die Eltern? Als hätten sie es nicht schwer genug, beherbergen sie nun auch noch rudelweise Möchte-gern-Popstars. Die spielen dann allerdings auch Fußball und Barbie. Beruhigend.
Nur das Demokratie-Verständnis der Kids ist eigen: Bei Starmania stimmten sie am Telefon für mehrere ab - und freuten sich dann närrisch mit dem jeweiligen Sieger. Wankelmütige Wechselwähler: Kennen wir die nicht von wo?
barbara.petsch@diepresse.com