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an könne doch, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken, am Montag nur die Fußgänger auf die Straße lassen, am Dienstag nur die Autofahrer und am Mittwoch nur die Radler, schlug Karl Valentin vor, der aus seinem Humor einen ernsten Broterwerb gemacht hatte. Er stieß auf taube Ohren, aber es gibt Vertreter ernsterer Professionen, die auch Naturtalente des komischen Fachs sind; US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld etwa, der immer einen Scherz auf den Lippen hat, wenn es um Massenvernichtungswaffen und ein paar tausend Tote geht. Man könne doch - "nehmen wir einmal hypothetisch an, es gibt im Januar Wahlen im Irak" - angesichts der wirren Lage im Lande einfach nur "drei Viertel oder vier Fünftel des Volkes" wählen lassen, sei das vielleicht nicht besser als überhaupt nichts?
Solche Späße haben Konjunktur, in Russland etwa, wo Präsident Putin, der nicht müde wird, den Fortschritt der Demokratie zu besingen, offenbar an einer Verfassung feilt, in der er auf ewig und in sämtliche Staatsämter simultan gewählt werden kann. Oder, man muss nicht so weit schweifen, in Sachsen, wo sich in der Politikerrunde am Wahlabend auch ein Jungbrauner ("Deutschland wieder deutsch") vor die Kameras stellt und durch seine bloße Anwesenheit die Vertreter der anderen Parteien davonlaufen macht, der Mann vertritt schließlich nur 9,2 Prozent der Wähler. Mit denen will man lieber nicht diskutieren, zumal, man muss wirklich nicht weit schweifen, eine Demokratie allzu viel verbale Auseinandersetzung auch wieder nicht brauchen kann, wenn man nur feinsinnig genug in die Sprache hineinhorcht. "Das Wort discutere heißt ja: zerschlagen", übersetzte in einer legendären TV-Gutenachtsendung die österreichische Präsidentschaftskandidaten: "Ich glaube, dass es besser ist zusammenzuführen."
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ur, wen soll man im Irak zusam men vor die Urnen führen, und wen nicht - es ist gar nicht so einfach, wenn man in einem Land wählen lassen soll, dem man gerade die Demokratie gebracht hat: Sollen nur die Sunniten dürfen oder die über 60-jährigen Männer, die unverheirateten Frauen, die Polizisten oder stellvertretend die US-Soldaten? Oder gleich ein anderes Volk, könnte man die Wahlen nicht in den USA durchführen, ein Zettel mehr, wenn es demnächst um den Präsidenten geht? Oder "one man, one vote", könnte man nicht Rumsfeld als Einzigen seine Stimme abgeben und auszählen lassen? "Musitärmili", klagte Valentin, als ihm die Musik des Militärs zu schrill klang.
juergen.langenbach@diepresse.com