Meinung: Festwochen?

O
hne Wiener Festwochen wär's so schön!" Mit diesem halblustigen Slogan warben heuer die Wiener Festwochen. So weit wollen wir nicht gehen, sie gleich abschaffen. Aber eines steht fest: Wiens Elite-Festival war heuer eher schwach. Vor allem im Schauspiel.

Einige Beispiele: Peter Zadeks "Peer-Gynt"-Version, eine sich endlos ziehende Männer-Fantasie. Da sah man in Wien vom Altmeister viel Besseres. Ob "Kaufmann von Venedig", "Ivanov" oder "Rosmersholm", alle diese (Burg-)Aufführungen schlugen "Peer" um Längen.

Luc Bondy zeigte Martin Crimps "Cruel and Tender". Da hatten die alten Griechen zum Thema Krieg Spannenderes zu sagen. Wie Zadek wird auch Bondy von Bondy selbst in Wien geschlagen, egal, ob man nun seine Inszenierung von "Figaro lässt sich scheiden" (Horváth) oder "Drei Mal Leben" (Yasmina Reza) zum Vergleich heranzieht.

Auch Heiner Müllers "Der Auftrag", inszeniert von Ulrich Mühe, konnte nicht mithalten mit Mühes Schauspiel-Künsten ("Peer", "Hamlet") auf Wiener Bühnen. Mehr oder weniger charmante Marginalien wie "La Veillée des Abysses" oder "Jesus Betz" ließen erkennen, dass die Festwochen im Off-Bereich auch schon einmal inspirierter agierten.

Wie steht's mit der Förderung der Wiener Szene? Nicht zum Besten, wenn man sich an die meist peinliche "Harmonie" von Franz Molnár erinnert, oder - vollends zum Davonlaufen - an: "Molière stirbt". Selbst die Erforschung des neuralgischen Jahres 1934 führte künstlerisch offenbar nicht allzu weit in die Tiefe.

N
un, es gab auch einige gute bis sehr gute Sachen: Thomas Oster meiers Ibsen-Schwerpunkt mit "Solness", "Nora", "Klaras Verhältnisse" von Dea Loher oder "The Children of Herakles" von Peter Sellars. Freilich, das blieben heuer eher Ausnahmen.

Gewiss, ein Festival kann einmal besser, einmal schlechter sein. Allerdings: Die Festwochen bekommen hohe Subventionen und sind auch personell bestens besetzt. Da dürfte man sich schon mehr exzellente "Treffer" erwarten.

So stellt man sich Fragen: Wie verbraucht sind die Alt-Stars? Dringen junge Talente durch oder nur die besten Kopisten? Warum werden fortwährend dieselben Klassiker neu inszeniert, weil es ein Regisseur dem anderen zeigen möchte? Ist die zwanghafte "Entstauberei" von Stücken teilweise nur mehr eine "Abstauberei"? Wir hoffen dringend, eines Besseren belehrt zu werden.

barbara.petsch@diepresse.com

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