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s gibt ein Geheimnis auf unserer weiten Erde, das noch keiner gelüf tet hat: Es ist das Geheimnis der Theater-Betriebswirtschaftslehre. Da gibt es zum Beispiel die Bundestheater, die seit rund zehn Jahren keine Erhöhung ihrer Subvention erhalten haben. Weil auch 2005/2006 nicht mehr Geld vom Staat kommt, rufen alle Direktoren jetzt unisono und sehr laut: "So geht's nicht weiter!" Nur leider haben sie das schon immer getan. Also glaubt ihnen nun, da es vermutlich wirklich dringend ist, keiner so recht.
Denn: Wie gut muss ein auf Subventionen angewiesenes Unternehmen sein, dass es zehn Jahre ohne Valorisierung überlebt? Und wie luxuriös muss das Burgtheater (Peymann?) agiert haben, als es noch jene 27 Millionen Euro ausgab, die jetzt eingespart wurden? Muss da ein Finanzminister, der gerade eine Steuerreform am Hals hat, nicht sagen: "Brav gemacht, Leute, nur weiter so?"
Noch weit seltsamer freilich sind die Vorgänge in der Wiener Szene. Da schert sich etwa ein Prinzipal keinen Deut um Belege. Da fordert ein anderer eine Invest-Ablöse, die den Betrieb für Nachfolger fast unmöglich macht. Da verlangt ein Dritter Tantiemen und gründet eine Firma, die zum Unterschied vom Verein, der mit Subventionen das Theater führt, Gewinne erzielt. Derartige Vorgänge legen den Verdacht nahe, dass im Theater statt wirtschaftlichen Augenmaßes vielfach Basar-Denken oder Fantasy herrschen. Oder wollen da einige unter dem Mäntelchen der Kunst die versäumte Pensionsvorsorge noch schnell nachholen?
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heater brauchen Subventionen. Dieses Dogma hat Löcher bekom men. Generell wird von Kultur-Unternehmen in kaufmännischer Hinsicht mehr verlangt. Staatsbühnen und Museen sind ausgegliedert. In Wien folgt demnächst eine Theaterreform, die ebenfalls auf mehr Transparenz abzielen sollte. Wobei Prestigeunternehmen oder -Projekte (Musical, Mozartjahr) trotz allen Sparens immer noch bevorzugt sind. Das ist ungerecht, aber die Realität.
Diese aber wollen offenbar viele Theater-Menschen nicht wahrhaben, also wursteln sie weiter wie bisher. Und marschieren damit gemeinsam mit Kulturpolitikern, die ihnen versichern, dass eh olles kloar ist, während die relevanten Entscheidungen längst "höheren Orts" getroffen werden. Ehrlicher wäre es zu sagen: "Liebe Theaterkünstler, es geht nimmer, weil ihr nicht die Einzigen seid - vielfach auch nicht die Wichtigsten -, die öffentliches Geld beanspruchen."
Dann wäre auch Schluss mit dem Geheimnis der Theater-Betriebswirtschaftslehre. Das wäre erfrischend. Dann könnte man auch wieder sagen: Ok, das Kultur- und Theater-Land Österreich leistet sich gewisse Dinge, weil Kaputtsparen sinnlos ist. Und man hätte nicht mehr das Gefühl, einem rituellen Schaukampf beizuwohnen, bei dem die einen ständig schreien "zu wenig!" und die anderen "jetzt ist Schluss!", sondern man könnte sich in Ruhe darüber unterhalten, was man wofür warum zahlt. Denn nur darum geht's im Grunde.
barbara.petsch@diepresse.com