W
er den Theater-Spielplan an schaut, wird wenig richtig Lusti ges entdecken. Klar, es gibt die Kammerspiele, aber die sind oft eher halblustig. Klar, es gibt "Bérénice" im Akademietheater, eine Travestie über Corneille, Molière, Racine. Aber das ist doch eher nicht, was man sich unter leichtem Amüsement vorstellt. So eine richtig nette Komödie, bei der man sich für sein Gelächter nicht zu sehr genieren muss, werden Sie kaum finden. Das hat Gründe. Sie wurde nämlich abgeschafft.
Film und Fernsehen sind da weniger scheu. Sie bieten en Masse Comedies an, von Sitcom bis Screwball. Ob Hör mal, wer da hämmert oder Golden Girls, hier geht es nicht um Kunst, sondern um ein Produkt: zielgruppengerecht und serienweise hergestellt von Gag-Schreibern, entsprechend besetzt und unterlegt mit den berüchtigten Lachbändern. Pfui Teufel? Nein, Zeitvertreib.
Die Comedy hat jedenfalls der guten, alten Komödie arg zugesetzt. Autoren des letzten Jahrhunderts wie Arnold & Bach (Der keusche Lebemann), Claude Magnier (Oscar) oder Robert Thomas (Acht Frauen) sehen heute oft recht alt aus. Entweder es finden sich neue, dazu entsprechende Regisseure und vor allem überzeugende Schauspieler - oder dieses Genre stirbt aus. Ein Verlust? Ja, denn die Menschen suchen allerhand im Theater, sie suchen aber auch das Amüsement, sie wollen lachen und da werden sie nicht besonders brillant versorgt.
In triste, traurige Stoffe satirische, groteske, burleske Elemente einzubauen, wie es üblich geworden ist, kann kein Ersatz für unbeschwerte Belustigung sein.
A
ber auch die Tragödie hat sich stark verändert. Sie wird ironisiert, verfremdet, bearbeitet. Die Verse kommen kaum je mehr vollständig und schon gar nicht immer deutlich über die Rampe. Denn Deklamieren ist ja verpönt. Die Klassiker sind so etwas wie Rohstoff geworden, mit dem nach Belieben verfahren werden kann. Also wird das "Material" mit Mikroports verstärkt, vertanzt, illustriert, mit Popmusik zugedröhnt. Gesamtkunstwerke sind überhaupt sehr in und niemand wird bestreiten, dass es da höchst interessante Ergebnisse gibt. Nur: Es gibt auch Gefahren, wenn das Theater das Lachen und die Sprache verliert, verliert es auch einen wichtigen Teil des Publikums.
Genauer gesagt, es hat diesen bereits verloren in den letzten Jahrzehnten. Wenn es diese Besucher wieder zurückgewinnen könnte, wäre das gut für das Theater, für das Publikum und durchaus nicht nebenbei: auch für die Kasse.
barbara.petsch@diepresse.com