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ehmen ist seliger denn geben, da mag Paulus in der Apostelge schichte (20, 35) erzählen, was er will, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und wollen erwidert sein, do ut des. "Das wäre doch nicht nötig gewesen", heißt der Stoßseufzer, mit dem man sich ins Unabwendbare schickt, in die nicht brechbare Kette von Gabe und Gegengabe, mit deren Eröffnung schon mancher reich geworden ist. Rockefeller etwa, von dem erzählt wird, er habe den chinesischen Markt für sein Lampenöl dadurch erschlossen, dass er Öllampen verschenkte. Heute hängen Handys an der Angel, aber es geht nicht nur um Geldraffen, man kann auch Symbolisches austeilen, Orden, Titel, alles ruft nach Dank und Treue zu Vaterland und Gönnern, wenigstens an der Wahlurne.
Und alles ist uralt, wer da gibt, dem wird schon bei den Trobriandern im Pazifik gegeben. Die versetzten den Ethnologen Bronislaw Malinowski in Staunen, als er 1922 nach der Ernte vor manchen Häusern Berge von Feldfrüchten liegen sah, die höchsten bei den Reichsten und Einflussreichsten: Je mehr Macht einer hat, je mehr Klientel er um sich schart und mit kleinen Diensten bei Laune hält, desto höher seine Berge. Alles in dieser Gesellschaft sei ein "give and take", wunderte sich der Forscher - er war Pole und lebte in England -, viele Rituale sind ausgebildet, eines heißt Kula. Das ist kein Tausch zwischen Zweien, sondern einer im Kreis, die Trobriander wohnen auf Inseln, die in einem Ring angeordnet sind. In ihm zirkulieren Prestigeobjekte, Armreifen und Halsketten, die einen mit dem Uhrzeiger, die anderen gegen ihn. Sie halten den ganzen Ring zusammen und im Frieden. Das funktioniert natürlich nicht in allen Gesellschaften, man kennt das Lied von der Bonbonniere, die alle paar Jahre wiederkehrt, vielleicht kennt man auch die Bonbonniere selbst, manche Gabe rächt sich.
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as kann man verhindern, ganz reiche Trobriander lassen zum Er weis ihrer Größe die Gaben verrotten, und die Kwakiutl-Indianer in Nordamerika haben den Protz perfektioniert. Sie tauschen nicht Güter, sondern deren Vernichtung, auf Festen namens Potlatsch. Dabei laden sie Nachbarn ein und bewirten üppigst. Dann zeigen sie, was sie haben und nicht brauchen, sie zerstören ihren Besitz, Nahrung, Zelte, nächstes Mal ist der Nächste dran und muss überbieten. Der Couponschneider, der die Zigarre mit Tausenddollarscheinen in Qualm setzt, ist eine milde Karikatur, Silvester passt eher. Dann lade ich Sie wieder auf einen Text ein.
juergen.langenbach@diepresse.com
Man kennt das Lied von der Bonbonniere,