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reitag hoben die heurigen Wiener Festwochen an. In Salzburg gehen derweilen die Parteien in Stellung, um einen neuen Festspiel-Intendanten ab 2007 zu suchen - was nicht nur politisch zu verstehen ist. Was verbindet Österreichs Luxus-Festivals? Was trennt sie? Beide verfügen über Geld und Renommee. Die Eigen-Deckung in Salzburg beträgt freilich 70 Prozent, in Wien sind es nicht einmal 30. Salzburg ist also viel rentabler.
Wien hat mit Luc Bondy einen künstlerisch glänzenden Intendanten, der sich aber wenig ums "Tagesgeschäft" kümmert, wie Aufführungen im Vorfeld der Festwochen zeigten: "Der Auftrag", ein teures Zwei-Tage-Gastspiel aus Berlin, missglückte Denkmalpflege für Heiner Müller - und entfesseltes Off-Experimentaltheater mit Molnár im Rabenhof.
Was Wien mit Bondy immerhin hat, eine Galionsfigur, das scheint Salzburg zu fehlen, offenbar schon seit vielen Jahren. Weder der streitbare Gerard Mortier noch der ruhige Peter Ruzicka konnten in Salzburg das Karajan-Syndrom überwinden. Das ist nicht nur Nostalgie. Es gibt international viel mehr Konkurrenz-Festivals. Wenn die musikalische Pole Position Salzburgs weiterbröckelt wie bisher, werden die Besucher vielleicht eines Tages nicht mehr die sündteuren Karten kaufen wollen.
Noch ist vordergründig alles ok. Wirtschaftlich ist Ruzicka erfolgreich. Doch wäre es günstig, bei der Nachfolge-Diskussion auf Gezänk zu verzichten: Salzburg gegen Wien und umgekehrt, VP gegen SP und umgekehrt, die Philharmoniker als graue Eminenzen über allem, die Präsidentin mitten drin. Das lässt sich nicht so gut an.
Die Wiener Festwochen haben es da praktischer getroffen: als Prestige-Festival, großzügig dotiert und getragen von der SP-Mehrheit im Rathaus. Doch wie man sieht, ideal ist auch das nicht, weil rund um Bondy allerlei Mitarbeiter Selbstverwirklichung betreiben, mitunter auf Kosten der Festwochen-Fans und des breiten Publikums sowieso.
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ie Besucher sind es vor allem, die verlangen dürfen, dass ihre Kunstleidenschaft - für die sie in Wien und Salzburg viel Geld ausgeben - - in einem möglichst breiten Spektrum bedient wird, nicht immer von denselben Leuten, von den besten und ästhetisch diversifiziert. Das erfordert in Salzburg und in Wien Chefs, die versiert, aber auch anwesend und nicht mit den Gedanken woanders sind. Die Intendanten-Gagen sind wahrlich groß genug für ein Engagement, das diesen Namen verdient. Leicht gesagt, schwer getan, wie man sieht - in Salzburg wie in Wien.
barbara.petsch@diepresse.com