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eorge Bush, John Kerry und Mi chael Jackson als Monster auf einer Internet-Site mit der Aufforderung: Gebt eure Stimme ab! Was sind doch diese Amerikaner verspielt. Aber auch in unseren Breiten hat Halloween Einzug gehalten - mit grinsendem Leucht-Kürbis, Hexen-Hüten, Schauer-Masken, flatternden Capes.
Manche sehen ein neues Heidentum heraufdämmern. Keine Angst, es ist bloß ein Geschäft: 18 Millionen Euro werden dafür jährlich in Österreich ausgegeben, ein stattlicher Betrag. Nichts gegen die USA, dort sind es 2,4 Milliarden Euro.
"Süßes oder Saures!", rufen die Kinder, wenn sie in bizarrer Verkleidung am 31. Oktober ausziehen. Es ist nett für viele Eltern, sie zu begleiten und zu sehen, wie mancher griesgrämige Nachbar plötzlich zu lächeln beginnt und angesichts des charmant vorgetragenen Erpressungsversuches der Grusel-Fratzen Schokolade und Zuckerln hervorzaubert. Schlecht für die Zähne, aber es gibt Schlimmeres. Etwa die Halloween-Party in R. L. Stines gleichnamigem Buch (Loewe-Verlag), wo bei einem Fest von Highschool-Kids in einem unheimlichen Haus ein Brand ausbricht. Ja, sie sind nicht immer so ohne, die Streiche; nicht umsonst denkt man bei Halloween an die alpinen Perchtenläufe. Im Burgenland kam es 2003 zu 19 Sachbeschädigungen, ein Grund für die Sicherheitsbehörden, heuer eine Warnung auszusprechen.
Insgesamt ist Halloween jedoch harmlos. Ausdruck eines alten Bedürfnisses, sich zu verkleiden, zu verwandeln, seine hässliche, dunkle Seite zumindest als Dekor nach außen zu kehren. Gespenster waren bei Kindern immer beliebt, schon vor Erfindung der Fantasy von Shrek über Potter bis Herr der Ringe.
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oher kommt Halloween? "All Hallow's Eve" ist der Vorabend vor Allerheiligen, nicht nur ein christliches Fest, sondern ein Stichtag für die Scheide Sommer-Winter, für das Ende der Ernte, für die Auferstehung der Toten. Die Kelten glaubten, dass an diesem Tag Verstorbene die Lebenden heimsuchen. Also verkleideten sie sich, veranstalteten großen Lärm und löschten die Feuer, um sich vor den Jenseitigen zu schützen. Die Römer fügten diesen Brauch ihren Erntefesten bei. Und frühe Christen sammelten zu Allerseelen "Soul-Cakes" im Austausch für Gebete.
Ironie der Geschichte: Auch heute mischen sich zu Halloween heidnische und christliche Bräuche - auf eine höchst profane Weise. In Supermärkten findet man außer Halloween-Sachen bereits jene für Nikolo und Weihnachten. Wer sich darüber ärgert, ist selber schuld.
barbara.petsch@diepresse.com