Meinung: Hammer Politik

P
olitiker können es nicht leiden, wenn man sie wegen parteipoliti scher Entscheidungen kritisiert. Aber auch wenn man die Parteipolitik beiseite lässt, gibt es genug Anlass zum Wundern.

Da wurde zum Beispiel die Geschäftsführung der Service-Tochter-Gesellschaft der Bundestheater Art for Art ausgeschrieben. Weil vorgeschrieben, hieß es. Gut. Es meldeten sich fast 30 Bewerber. Gekürt wurde aber der bisherige Art-for-Art-Geschäftsführer Josef Kirchberger. Auch gut. Bloß: Wozu investieren hoch bezahlte Leute ihre Zeit in die Sichtung von Bewerbungsschreiben, wenn dann alles bleibt, wie es ist? Und wie werden diese Vorgangsweise jene Personen empfinden, die sich beworben haben? Vermutlich als feste Frotzelei. So sind Ausschreibungen völlig sinnlos.

Man kann nur hoffen, dass das Verfahren bei den Salzburger Festspielen, es ist methodisch das Gleiche - Ausschreibung, Bewerbungen sichten, Kür - würdiger abgewickelt wird. Betrachtet man das Gezerre um die Festspiel-Intendanz, sieht es allerdings nicht so aus. Eine rasche Einigung scheint nicht in Sicht.

Schauplatz-Wechsel zum Volkstheater in den Außenbezirken. Diese "Tournee" versorgt Zuschauer außerhalb des Zentrums mit Theater. Heuer gab es die 10.000. Vorstellung. Die Ästhetik wirkt simpel, aber das "VT außen" ist bestens verkauft und sehr beliebt, also eine verdienstvolle Institution. Die Arbeiterkammer wollte trotzdem keine Subvention mehr geben, die Stadt Wien sprang ein. Großzügig. Freilich wurde dem Tournee-Veranstalter Volkstheater kein Geld überwiesen, weder jenes für die vergangene Saison noch jenes für die kommende, weder die städtische Subvention noch die AK-Summe: Es geht um ca. 800.000 €. Wird schon kommen, sagt die Stadt Wien. Aber das wirkt nicht gerade glaubwürdig.

Denn gleichzeitig spendiert man dem Schauspieler Adi Hirschal 363.000 € für seine Komödien-Pawlatschen-Wanderbühne. Das ist ungerecht und böse.

A
propos: Ungerecht und böse. Das Defizit des Theaters in der Josef stadt soll - wie man jüngst erfuhr - doch nicht so groß sein wie befürchtet. Die Auslastung hat sich in der zweiten Saisonhälfte stark verbessert. Nun sind erstaunliche Nachrichten von den Finanzen des Theaters in der Josefstadt ja keine Seltenheit, man fragt sich aber doch: Wurde dem überfallsartig abgesetzten Direktor Hans Gratzer zu wenig Zeit gelassen zu zeigen, was er kann?

Wie auch immer: Aus all diesen Ereignissen schließen wir, die Kulturpolitik bedarf gar nicht des parteipolitischen Hammers, um fragwürdig zu wirken. Sie ist als Ganzes ein Hammer schlechthin.

barbara.petsch@diepresse.com

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