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azifismus! Rief es im Vorjahr aus je der Ecke des Berliner Theatertref fens. In fast allen Aufführungen fand die Skepsis der Europäer und im Besonderen der Deutschen gegen den Irak-Krieg ihren Ausdruck. Ein wenig öde, ein wenig spät, typisch Theater, dachte man damals, kurz nach der ersten, gelungen erschienenen Invasion der USA im Irak.
Jetzt erinnert man sich anders: vor allem an Frank Castorf, der zuletzt zwei wichtige Kontrahenten des Kalten Krieges, Russland und die USA, erkundet hat. Eugene O'Neills Tragödien-Trilogie "Trauer muss Elektra tragen", ein auf den ersten Blick sprödes Monumental-Werk, wurde in Castorfs Interpretation zu einer erschütternden Darstellung von Kriegs-Traumata, die sich über Generationen ruinös fortpflanzen.
Da schloss sich der Kreis zu vielen Vietnam-Filmen, die zum einen die Schleif-Methoden in der US-Armee schildern, zum anderen die Angst, die abenteuerlustige Männer auf dem Schlachtfeld schnell in von Panik und Brutalität gezeichnete Nervenbündel verwandelt. In den meisten Vietnam-Filmen blieben die Vietkong-Kämpfer im Schatten.
Der neue Kriegsschauplatz Irak zeigt die Gegner deutlich - als beklagenswerte Opfer einer Befehlskette. Der Krieg ist aus dem geschlossenen System herausgefallen, in dem er sich lang befand, das entsetzt nicht nur US-Bürger.
Israel muss mit den Palästinensern verhandeln, um tote Soldaten, die auf den Straßen als Trophäe gezeigt werden, ausgeliefert zu bekommen und zu begraben. Das erinnert an "Antigone", die ihren Bruder nicht begraben durfte.
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ir greifen zu Arnold J. Toynbees "Krieg und Kultur". Er erzählt von der Krieger-Kaste im antiken Sparta, von klein auf wurden Männer und Frauen zu Kampfmaschinen trainiert. "Man schwingt das Schwert nur zu einem guten Zweck. Eine Illusion. Nur im Märchenland zerhauen Schwerter gordische Knoten", schreibt der britische Historiker, und über Pazifismus: "Die Pazifisten haben mit folgenden Hauptschwierigkeiten zu rechnen: Sollte ihre Tätigkeit in einem oder mehreren Staaten zum Erfolg führen, dann würden diese denjenigen gegenüber, in denen sich der Pazifismus nicht oder noch nicht durchgesetzt hat, benachteiligt, ja diesen gänzlich ausgeliefert sein."
Manche dachten vielleicht, der Krieg, der ist immer ganz woanders, weit weg oder er war - früher. Jetzt ist er wieder näher gerückt in all seinen Dimensionen - und die Schlacht-Reihen, die etwa bei Shakespeare über die Bühne rücken, erscheinen in neuem Licht.
barbara.petsch@diepresse.com