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entechnik kann dein Schnitzel verändern", so begrüßt einen je den Morgen auf dem Weg zur Arbeit, wenn man darauf wahrhaft noch keinen Appetit hat und schon gar nicht per Du angemacht werden will, ein echtes Wiener Schnitzel, frisch aus der Fritteuse, man kann fast das gesengte Fett riechen, so gesund lacht es einen an. Natürlich ist es kein echtes Schnitzel, sondern ein Foto, und für ganz Begriffsstutzige steht auch noch darunter, wozu die teuflische Gentechnik mein braves Schnitzel denn verändern kann, zum "Schinztel", mit freundlichen Empfehlungen von Greenpeace.
Ja, das Medium ist die Botschaft, und auf einem Plakat hat nicht viel Platz. Aber wie die Gentechnik mein Schnitzel verändern soll - soll es auf dem Teller herumhüpfen oder eine andere Farbe und Struktur haben? -, bleibt unerfindlich. Und unausgesprochen, es gibt nicht einmal Kleingedrucktes, das vor dem Besuch eines Wirtshauses den Weg zu Arzt oder Apotheker empfiehlt. "Schinztel", das reicht für den Reflex und das Ressentiment, wer will da noch wissen, wohin die Reise der Gentechnik geht - oder ob das Schnitzel am Ende gar besser wird? Es kann nur schlechter werden, das ist doch klar, und das ist das Gespenstische an der Debatte: Der Vergleich der Gen-Landwirtschaft mit der konventionellen fehlt. Man könnte fast meinen, in der heutigen Agroindustrie beackerten biedere Biobauern ganz ohne Gift und Dünger ein Paradiesgärtchen - das ist die Folie aller Anti-Gen-Kampagnen -, aus dem vertrieben wird, wer sich mit dem Teufelszeug einlässt.
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ass es das ist, versteht sich ir gendwie von selbst, man weiß ja, dass Gentechnik, tja, äh, was macht sie denn: die Umwelt kaputt, die Menschen krank? Bisher ist darüber nichts bekannt geworden: Seit zehn Jahren läuft das große Experiment - vor allem in den USA -, nichts ist passiert, keiner ist tot umgefallen vom Genmais, nicht ein Allergiker hat über ihn Tränen vergießen müssen, ja, ich weiß schon, die Langzeitfolgen.
Dass der Großversuch an Menschen überhaupt läuft, ist nicht fein. Aber man wird sich damit abfinden müssen, die Interessen sind stark, die Schlachten geschlagen. So fett das Schnitzel ist, seine Schrift an der Wand wiegt allzu leicht. Vorschlag zur Güte: Viel Obst, Gemüse und Salat ist gentechnikfrei - bei Auslandsreisen Vorsicht bei Papaya, Tomaten und Radicchio! -, die Märkte sind zu klein, sie lohnen die Investitionen nicht. Und der Umwelt und der Gesundheit ist mit dem Verzehr von Grünzeug auch gedient.
juergen.langenbach@diepresse.com