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ou better be aware, you better take care" - trällerte in den Siebzigern die britische Popband The Sweet in ihrem Song "Blockbuster". Heute ist das Wort in aller Munde. Blockbuster, das ist der Kassenschlager, von allen gesehen, gehört, begehrt, gekauft. Zunächst wurde die Bezeichnung vor allem für sensationell erfolgreiche Filme verwendet - von "Herr der Ringe" bis "Rettet Nemo". Fantasy, Comic, Sci-Fi, dort findet man die meisten Film-Blockbuster, die nach Möglichkeit in Serien produziert werden, um die Formate optimal zu verwerten.
In letzter Zeit grassiert der Blockbuster auch in anderen Künsten: vor allem bei Ausstellungen. Picasso, Dürer, jetzt Rubens. Ihm kann man demnächst durch halb Europa nachreisen, nach Lille und Genua - die heurigen Kulturhauptstädte -, in Wien widmen sich Albertina und Liechtenstein Museum dem flämischen Altmeister. Dabei ist nicht einmal ein rundes Jubiläum zu begehen.
Anders als bei Blockbuster Mozart, dessen 250. Geburtstag 2006 gefeiert wird. Kein Zweifel, der Blockbuster breitet sich aus, schließlich muss er weithin, noch besser weltweit vermarktet werden. Was manchmal, aber längst nicht immer bedeutet, dass das (Kunst-)Objekt massentauglich sein muss. Eher geht es um Begriffe, Namen, die im Gedächtnis möglichst vieler verankert sind oder verankert werden - mit aufwendig konzipierten Werbe-Kampagnen.
Trotz Mozart dürfte die Einführung des Blockbusters bei der Musik aber keine allzu weite Verbreitung finden. Wer will schon, sagen wir, gregorianische Choräle mit einem so banalen Wort verbinden. Und Blockbuster am Theater? Peter Stein? Peter Zadek? Luc Bondy? Nein, das klingt deplatziert. Koproduktionen, Gastspiele, internationales Renommee vielleicht, aber Theater bleibt doch meist eher ein auf einen bestimmten Raum begrenztes Phänomen. Das passt nicht zum Blockbuster. Eher schon Bücher, etwa Harry Potter . . .
B
lockbuster, das Wort klingt irgend wie gewalttätig. Das ist es auch. Blockbuster waren Minen-Bomben, die, im II. Weltkrieg erstmals eingesetzt, Millionen Menschen vernichteten: "Lähmendes Entsetzen packte die Bevölkerung in den Nächten, als die so genannten Wohnblock-Knacker zur Erde heulten", heißt es in einem Text. So gesehen wäre es am besten, das Wort ganz schnell aus dem Vokabular zu streichen, bevor es epidemisch weiter wuchert, wo es überhaupt nicht hingehört. "You better be aware, you better take care . . ."
barbara.petsch@diepresse.com