Rohstoffe: "In den Metallen liegt noch Kurs-Musik"

Auch 2005 könnte ein gutes Jahr für Rohstoffspekulationen werden.

london. Ingrid Sternby von Barclays Capital in London ist sich sicher: Die Preise für Industriemetalle werden auch 2005 steigen. Die "fundamentalen Marktfaktoren" - kräftige Nachfrage Chinas bei schleppendem Angebot und sinkenden Beständen - sprächen weiterhin für feste Tendenz. Die Preiskorrektur im letzten Quartal 2004 biete eine günstige Kaufgelegenheit. Schon im 1. Quartal würden die Metalle mit einem fulminanten Start beginnen.

Die Spekulanten an den Terminmärkten in New York und London hatten Anfang Dezember freilich Kasse gemacht. Jene, die zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen waren, dürften für 2004 Gewinne von über 35 Prozent mitgenommen haben; der Preis für Kupfer, des meistgehandelten Industriemetalls, legte sogar um 60 Prozent zu, Nickel um gut zwei Drittel.

Die Furcht vor einen möglichen Einbruch der Nachfrage Chinas ist weitgehend gewichen. "Selbst wenn das Wirtschaftswachstum sich dort 2005 abschwächen sollte, wird der Hunger des Riesenreichs auf Rohmaterialien vorläufig kaum nachlassen," meint Craig Campbell von Morgan Stanley in London. Campbell empfiehlt die Aktien der Bergbauriesen BHP und Rio Tinto als "Renner".

Michael Lewis von der Deutschen Bank in London verweist darauf, dass neben dem China-Faktor auch die bisher nur schleppende Ausweitung des Angebots an Metallen zu dem phänomenalen Preisanstieg der letzten beiden Jahre beigetragen hat. Die Versorgungslage sei daher bis auf weiteres noch von Produktionsdefiziten gekennzeichnet. Die Vorräte bei den meisten Metallen hätten sich im Jahresverlauf 2004 mehr als halbiert. Auch 2005 sollen die Bestände weiter schrumpfen, wenn auch in verringerten Masse.

2006 werden die weltweiten Bergbau- und Verhüttungskapazitäten die Nachfrage jedoch wieder "einholen", warnt Kona Haque von der Londoner Economist Unit, EIU, die Spekulanten vor einem allzu langfristigen Hausseengagement in dem Sektor. Schließlich werde sich dahin auch das Wachstum der Weltwirtschaft abgeschwächt haben.

Die Preise würden dann den Rückwärtsgang einlegen. Lediglich Zink und in geringerem Maße auch Aluminium - die bisherigen Nachzügler bei der Preishausse von 2004/05 - würden sich auch 2006 gut behaupten. Sternby von Barclays empfiehlt beide als vielversprechendste Anlage des Sektors.

2005 wird sich China laut Londoner Analysten, auch zunehmend bei den Agrarprodukten als Preisstütze oder gar preistreibender Faktor bemerkbar machen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.