Google: Zwei Klassen von Aktionären

Der bevorstehende Börsegang von Google wird zum Dotcom-Ereignis des Jahrzehnts "hochgehypt". Doch potenzielle Anleger sollten vorsichtig sein.

Zuerst die gute Nachricht: Als Leser dieser Zeitung werden Sie am Dotcom-Ereignis des Jahres, dem Börsegang (IPO, Initial Public Offering) der Internet-Suchmaschine Google, wahrscheinlich nicht teilnehmen können. Denn zu den Grundbedingungen für die Teilnahme an der Versteigerung der neuen Google-Aktien gehört laut Börsenprospekt nicht nur ein Konto bei Morgan Stanley oder Credit Suisse First Boston (den beiden Investmentbanken, die das Ereignis begleiten), sondern auch ein Wohnsitz in den USA: "Einzelinvestoren außerhalb der USA sollten nicht erwarten, an diesem Angebot teilhaben zu können".

Denen kann dann auch nicht passieren, was Google im "Gefahrenteil" des 164-seitigen Börseprospekts als "winners curse" bezeichnet: dass nämlich der Kurs des Unternehmens im Bieterverfahren viel zu stark nach oben getrieben wird und unmittelbar nach dem Börsegang gleich einmal kräftig abstürzt.

Diese Gefahr besteht tatsächlich: Google lässt den Preis ja nicht, wie sonst üblich, durch Investmentbanken eruieren (was freilich auch nie eine Garantie für seriöse Kursfestsetzung war), sondern in einem Auktionsverfahren direkt ermitteln. Wenn der schon bisher erzeugte Medienhype zu viele Anleger unvorsichtig werden lässt, dann kracht es.

Zumal die Bieter ins Blaue bieten: Derzeit steht noch nicht einmal fest, wie viele Aktien Google begeben will. Jedenfalls aber nur so viele, dass das Heft in der Hand der Altaktionäre (im Wesentlichen die Gründer Larry Page und Sergey Brin, CEO Eric Schmidt und zwei Venture-Capital-Firmen) bleibt.

Zu diesem Zweck werden zwei Klassen von Aktionären geschaffen: A-Aktien werden beim IPO unters Volk gebracht, B-Aktien sind in der Hand der Alt-Aktionäre. Für eine A-Aktie gibt eine Stimme, für eine B-Aktie zehn. Alles klar: Die Burschen wollen ein paar Milliarden Dollar abcashen, aber weiterhin das Sagen haben.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Aktionären hat den Sinn, feindliche Übernahmen zu verhindern, sagt Larry Page. Aber auch das ist keine Frohbotschaft für künftige Aktionäre: Übernahmeversuche sind der beste Kursturbo, den man sich wünschen kann.

Und noch etwas: Niemand soll sich einbilden, am Ergebnis mitnaschen zu können: Google habe Gewinne immer reinvestiert, und Aktionäre sollten auch künftig keine Dividenden erwarten, heißt es im Prospekt.

Tja, bleiben noch immer mögliche Kurssteigerungen. Wer seinerzeit beim IPO von Microsoft 10.000 Dollar investiert hätte, würde heute immerhin 3,5 Millionen auf dem Wertpapierkonto haben. Aber mögliche Kurssteigerungen sind auch davon abhängig, dass der Einstiegskurs nicht überhöht ist. Vielleicht ist es also gar nicht so schlecht, dass Europäer aller Voraussicht nach erst zuschlagen können, wenn Google an der Börse (ob Nasdaq oder NYSE ist noch unklar) notiert.

Spannend wird der Google-Börsengang jedenfalls. Schon deshalb, weil er die Form künftiger Börsengänge stark verändern könnte. Derzeit ist es ja üblich, dass die Vorbereitungen vollständig in der Hand von Investmentbanken sind, die dafür auch satte Honorare - in den USA üblicherweise sieben Prozent des Emissionsvolumens - abkassieren. Hat Google mit seinem Auktionsverfahren, das sich direkt an die Anleger wendet, Erfolg, dann könnte das die Art, in der Börsengänge funktionieren, revolutionieren.

Google habe jedenfalls, unkt "Spiegel online", "dem Geldadel die Finger gezeigt" und "die Herren der Wallstreet zu bloßen Erfüllungsgehilfen" degradiert.

Aber Google ist ja, auch im eigenen Selbstverständnis, etwas Besonderes: "Google ist kein konventionelles Unternehmen und will auch keines werden", schreibt Mitbegründer Page im Börsenprospekt. Man wolle die Welt verbessern.

Vorerst wird aber einmal potenziellen Anlegern gezeigt, dass man sie vielleicht doch nicht so ernst nimmt: Man wolle genau 2.718.281.828 Dollar einnehmen, steht auf Seite zwei des Emissionsprospekts. Genauer geht's nicht, zumal ja der Preis noch gar nicht feststeht? Weil das exakt dem Milliardenfachen der "Eulerschen Zahl" entspricht und man sich ein kleines Mathematikerscherzchen erlaubt hat? "Man kann aus dem Börsenprospekt (...) herauslesen, dass Brin und Page die Wallstreet im Allgemeinen und die Investmentbanken im Speziellen für den Abschaum des Planeten halten", meint der "Spiegel". Auch eine Basis für einen Börsengang.

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