Europäischen Telekom-Aktien steht ein Turnaround bevor.
wien (red./bloomberg). Europäische Telekomwerte sind in diesem Jahr die Schlusslichter im Dow Jones Stoxx 600 Index. Aber das ändert sich. Höhere Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe dürften den Aktien einen Kursschub geben.
J.P. Morgan Chase & Co. und Morgan Stanley haben ihre Empfehlungen für die Branche bereits angehoben. Sie rechnen mit einem Gewinnsprung von 14 Prozent im Jahr 2005. Damit würde die Telekombranche auch den durchschnittlichen Gewinnanstieg von 10,9 Prozent für die Unternehmen im Stoxx 600 übertreffen.
Auf dieser Basis kommen Telekomwerte auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,9, während der Leitindex ein KGV von 12,2 aufweist. "Die Bewertungen spiegeln den künftigen Gewinn und Cashflow nicht wider," sagt Tim Rees, Fondsmanager bei Insight Investment Management in London. Er rechnet bei BT Group Plc und Vodafone Group Plc mit einem Kurssprung von 15 bis 20 Prozent.
In diesem Jahr hat der Telekombranchenindex des Stoxx 600 1,1 Prozent eingebüßt, während das Börsenbarometer 4,2 Prozent zugelegt hat. In den Kursen der Telekomanbieter ist die verbesserte Gewinn- und Umsatzlage noch nicht eingepreist, nachdem die Gesellschaften die Kosten gesenkt haben und neue Dienste anbieten, sagen Investoren.
J.P. Morgan hat die europäischen Telekomaktien von "Untergewichten" auf "Neutral" angehoben und begründete dies mit den erwarteten höheren Erträgen für die Aktionäre. Die Investmentbank empfahl den Anlegern, Telekom Austria AG zu kaufen. Der österreichische Telekomkonzern hat im Februar Aktienrückkäufe im Volumen bis zu 270 Mill. Euro in Aussicht gestellt.
Prince Alwalled bin Talal aus Saudiarabien, der viertreichste Mann der Welt, ist daran interessiert, einen Anteil an dem früheren spanischen Telekommonopolisten Telefonica SA zu erwerben, teilte sein Sprecher am Donnerstag mit. Seit dem 24. Juni, als die saudische Zeitung Asharq al-Awsat von einer möglichen Beteiligung des Prinzen berichtete, hat die Aktie 0,5 Prozent zugelegt.
Der niederländische Telefonanbieter Royal KPN NV will den angekündigten Aktienrückkauf von 500 Mill. Euro um eine Milliarde Euro aufstocken. Seit dem 10. Mai, als KPN den siebten Quartalsgewinn in Folge berichtete, hat der Aktienkurs 4,3 Prozent zugelegt. Seit 2001 hat die Gesellschaft ein Drittel der Stellen gestrichen und den Schuldenberg von 23 Mrd. Euro auf 7,9 Mrd. Euro abgetragen.
Fondsmanager fordern zunehmend, dass Unternehmen Barmittel an die Anleger zurückfließen lassen, ergab eine Umfrage von Merrill Lynch & Co. im letzten Monat. Ein Drittel der 303 befragten Vermögensverwalter sprach sich für höhere Dividenden und Aktienrückkäufe aus. Im März waren es nur 23 Prozent gewesen.
Auch der britische Telekomriese BT Group Plc und der Mobilfunkanbieter Vodafone Group Plc haben Rückkaufpläne bekannt gegeben. Vodafone will im nächsten Jahr für drei Mrd. Pfund eigene Aktien zurückkaufen. Außerdem hob die Gesellschaft die Dividende für das zweite Halbjahr um 20 Prozent an.