Im weltweiten Investmentbanking ist ein Stimmungsumschwung zu verzeichnen.
WIEN/KÖLN (mk/dpa). In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lief das Geschäft für die Investmentbanken vielversprechend. Doch die Marktdaten für das zweite Quartal sind eher ernüchternd. Wie aus einer Analyse der Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht, reduzierten sich die Einnahmen im zweiten Quartal um 9,6 Prozent. Besonders stark war der Rückgang im Handel mit Anleihen: Größtenteils saisonal bedingt wurden gegenüber dem Vorquartal ein Minus von 13,9 Prozent verbucht. Aufgrund der schwachen Börsen kam der Aktienhandel auf ein Minus von 19,7 Prozent. Nur die Einnahmen aus dem klassischen M&A- (Merger & Akquisition) und Emissionsgeschäft nahmen zwischen April und Juni 2004 verglichen mit dem ersten Quartal um 12,3 Prozent zu.
Die Anzahl angekündigter M&A-Deals, bei denen Banken beraten, verringerte sich im zweiten Quartal 2004 um 24 Prozent, sodass auch im dritten Quartal mit deutlich geringeren Beratungsgebühren zu rechnen ist. "Die gegenwärtige Unsicherheit an den Märkten und die nach wie vor nur zaghafte wirtschaftliche Erholung stellen die Investmentbanken vor ein schwieriges zweites Halbjahr", sagt Ludger Kübel-Sorger, der bei BCG den Bereich Investmentbanking in Europa leitet.
Der Europachef des Investmentbankings für den Industriesektor bei Morgan Stanley, Dietrich Becker, glaubt indes, dass sich das Fusionskarussell im zweiten Halbjahr wieder schneller drehen wird. "Wir sind momentan so beschäftigt wie noch nie in Deutschland", sagte Becker im "Capital".
Dabei geht es auch um feindliche Übernahmen. Außerdem spielten Finanz-Investoren zunehmend eine wichtigere Rolle, die eine attraktive Anlagemöglichkeit suchen.