Yen-Verteidigung: Japan bereitet sich auf längeren Währungskrieg vor

Japan füllt seine "Kriegskasse". Das Parlament stellt 200 Mrd. Dollar Extrabudget für Währungsinterventionen bereit.

Tokio. Japan stellt sich offenbar auf einen längeren Währungskrieg mit den USA und Europa ein. Das Tokioter Unterhaus genehmigte am Montag der Regierung, einen Zusatzfonds in Höhe von 21 Bill. Yen (200 Mrd. Dollar, 160 Mrd. Euro) zur Abwehr einer weiteren Yen-Aufwertung zu bilden. Damit werden vor dem G7-Treffen der Finanzminister und Notenbank-Chefs am Wochenende in Florida vollendete Tatsachen geschaffen.

Allein im Januar intervenierte das japanische Finanzministerium mit der Rekordsumme von 7,15 Bill. Yen (mehr als 54 Mrd. Euro) an den internationalen Devisenmärkten. Wenn es nach Premierminister Junichiro Koizumi geht, wird die "Kriegskasse" der Währungshüter bald noch einmal aufgefüllt. Dem Parlament liegt ein Antrag vor, im kommenden Finanzjahr 2004/05, das am 1. April beginnt, weitere 40 Bill. Yen extra für die Währungsverteidung budgetieren zu können. Insgesamt hat Japan damit in den vergangenen 13 Monaten für über 27 Bill. Yen (rund 205 Mrd. Euro) Dollar gekauft.

Mit den anhaltenden Währungsinterventionen soll Nippons sensible Exportindustrie vor schwerem Schaden geschützt werden. Zwar macht der Außenhandel nur gut elf Prozent Anteil am BIP aus, aber der Export treibt maßgeblich den neuen Aufschwung an. Der Unternehmerverband Keidanren beschwor die Regierung deshalb offenbar erfolgreich, den Dollar "um keinen Preis unter 105 Yen fallen zu lassen", weil sonst die Ökonomie wieder ins Schleudern käme.

Was Tokio vor zu heftiger US-Kritik schützt ist die Tatsache, dass die meisten mit Yen gekauften Dollars sofort wieder in den Markt für US-Staatsanleihen fließen. "Würde die Europäische Zentralbank ähnlich agieren, wären in Washington längst die Hunde von der Leine", nimmt Toru Umemoto, Währungsstratege bei Morgan Stanley an. Tokio und Peking haben aber bessere Karten als Frankfurt, weil die Asiaten Bushs Politik maßgeblich mitfinanzieren. Rund 40 Prozent des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits wird von Anleihekäufen der Japaner und Chinesen gedeckt. Das bewirkt starke politische Rücksicht.

Streng genommen war beim vorangegangenen G7-Treffen vor vier Monaten in Dubai von den Finanzministern und Notenbankchefs ganz anderes verabredet worden. Damals wurden vor allem die Asiaten, die aktiv im Dollarkauf aufgefallen sind, also auch Südkorea und Thailand, eindeutig aufgefordert, normale Wechselkursschwankungen zuzulassen. Tokio hat sich daran nur bedingt gehalten und den Yen-Anstieg zum Dollar auf sieben Prozent limitiert, während gleichzeitig der Euro in der Spitze um bis zu 13 Prozent aufwertete.

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