Bilanzskandal: Parmalats NÖM-Anteil eingefroren

Der NÖM-Mehrheitseigner Raiffeisen Holding NÖ-Wien will den Anteil Parmalats zurückkaufen.

Rom/Wien (ps, apa). Die wichtigste Beteiligung von Parmalat in Österreich, die Sperrminorität am Molkereikonzern NÖM, ist, wie am Mittwoch bekannt wurde, seit Freitag gerichtlich eingefroren. Damit könne "bis der Sachverhalt geklärt ist" niemand über die NÖM-Aktien verfügen, sie also auch nicht verkaufen, hieß es von Seiten der Justizbehörden.

Gerade dies wollte aber der NÖM-Mehrheitsaktionär, die Raiffeisenholding NÖ-Wien erreichen. Sie hat am Mittwoch, ohne vom Gerichtsentscheid zu wissen, den Vertrag mit Parmalat wegen Insolvenz des Vertragspartners gekündigt und eine Rückübertragung der NÖM-Aktien gefordert. "Das wird jetzt so nicht gehen", hieß es aus Justizkreisen. Raiffeisen-Holding-Chef Erwin Hameseder zeigte sich über das Einfrieren der Aktien aber auch "beruhigt", da nun sicher gestellt sei, dass Aktienpakete nicht ins Ausland verbracht werden könnten.

Hintergrund der Vertragskündigung ist der Wegfall einer wesentlichen Vertragsgrundlage - der Partnerschaft für die Ostexpansion - wegen der Insolvenz der Parmalat Spa, begründet die Raiffeisen-Holding ihren Schritt. "Wir konnten nicht mehr abwarten, ob sich Parmalat wieder erholt, sondern mussten ein klares Signal setzen: Wir sind voll handlungsfähig", sagte Hameseder.

Auf Grund der richterlichen Verfügung erwartet er aber keine rasche Rückgabe der NÖM-Aktien Auch den Rückkauf-Preis will er noch verhandeln. "Die NÖM hatte Zahlungsausfälle durch die Insolvenz, die den Preis mindern sollten."

Die Rückabwicklung sei auch im Sinne des Insolvenzverwalters, meint Hameseder, da die NÖM ein Asset sei, "wofür unmittelbar Cash verfügbar ist". Er bekräftigte zudem das Interesse an einer Übernahme einzelner Parmalat-Werke im Osten.

In Bankenkreisen zog der Bilanzskandal indes weitere Kreise. Die italienische Steuerpolizei durchsuchte im Rahmen der Untersuchung zum Parmalat-Zusammenbruch die Mailänder Büros der US-Investmentbank Morgan Stanley. Zudem reichte der seit Montag inhaftierte frühere Parmalat-Finanzchef Franco Gorreri seinen Rücktritt als Präsident der Banca Monte Parma ein. Der 51-jährige Banker soll 500 Mill. Euro zu Gunsten der Parmalat-Tochter Parmatours unterschlagen haben.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.