Schule & Sport

Tägliche Bewegung in Volksschule macht Kinder fitter

Imago / Rüdiger Wölk
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Laut Experten ist eine tägliche Stunde mit körperlicher Aktivität ohne zusätzliche Kosten, Umbauten, Stunden- und Lehrplanänderungen möglich. Was macht die Politik?

Eine tägliche Lehrstunde mit körperlichen Aktivitäten macht Volksschüler nachweislich fitter, berichtet der Grazer Bewegungswissenschafter Gerald Jarnig mit Kollegen. Sie wäre ohne zusätzliche laufende Kosten umsetzbar, und man müsste dafür weder Stundenpläne, Unterrichtszeiten und Lehrpläne ändern, noch die Klassenräume umbauen, wie teils behauptet wird, erklärte er der APA. Die Studie ist im „Journal of Sports Science“ erschienen.

Jarnig bescherte Kindern der vierten Klasse Volksschule in einem Pilotprojekt tägliche körperliche Betätigung. „Gemäß dem Lehrplan sind Sportstunden zweimal wöchentlich für 50 Minuten vorgesehen“, so der Forscher, der am Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit der Universität Graz tätig ist: „An den drei Tagen pro Woche, an denen kein Sportunterricht stattfand, lernten die Kinder in einer Deutsch oder Mathematik Schulstunde kognitive Inhalte in Verbindung mit spezifischen Bewegungsaktivitäten.“

Zusätzlich bekamen sie Hausaufgaben, die körperliche Aktivitäten beinhalteten. „Die Kinder wurden etwa zu einem Spaziergang in der Natur aufgefordert und erhielten eine Checkliste mit den auf diesem Spaziergang zu sehenden Objekten, beispielsweise einem roten Auto, einer Parkbank oder einem Fußgängerübergang“, heißt es in der Fachpublikation.

„Hüfte zu Körpergröße“

Die Schüler in der Versuchsgruppe mit Bewegungseinheiten hatten nach neun Monaten erkennbar höhere Steigerungen der Herz-Lungen-Fitness, Muskelkraft und Beweglichkeit als die Schüler der Kontrollgruppe ohne tägliche Aktivitäten, berichtet Jarnig. Sie zeigten zudem eine Reduktion im Maß „Hüfte zu Körpergröße“, waren also weniger korpulent. Diese Effekte waren bei Kindern, die in einem Sportverein aktiv waren, weniger deutlich ausgeprägt. „Der Weg in den Sportverein hat also gleiche Wirkung“, so Jarnig.

Die Verantwortung für die körperliche Fitness der Kinder sollte man dennoch nicht an private Vereine abschieben, meint er: „Viele Eltern sind aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen nicht in der Lage, ihre Kinder zu den Trainingseinheiten der Sportvereine zu bringen.“ Manche Kinder leben zudem lieber künstlerische Tätigkeiten etwa in Musikvereinen aus. „In der schulischen Umgebung können alle Kinder gleichermaßen an körperlichen Aktivitäten teilnehmen, unabhängig von ihren individuellen Vorlieben und Interessen“, so der Wissenschafter: „Daher erscheint es mir als die einzige praktikable Möglichkeit, eine tägliche Bewegungseinheit in den Schulalltag zu integrieren.“

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