Bildung

Schulbücher: Ein Tier ist keine „Milchfabrik“

Die Kuh auf der grünen Wiese: ein Klischee aus den Schulbüchern, das die Realität nicht umfassend abbildet.
Die Kuh auf der grünen Wiese: ein Klischee aus den Schulbüchern, das die Realität nicht umfassend abbildet.U. Schmid
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Heimische Biologiebücher prägen die Mensch-Tier-Beziehung. Ulrike Schmid von der Uni Innsbruck analysiert Sprache und Bilder der Schulbücher für Zehn- bis 14-Jährige.

„Das Tier hat einen Stummelschwanz und ein verkümmertes Becken.“ Solche Beschreibungen finden sich in Schulbüchern, die Ulrike Schmid aus der Arbeitsgruppe Human-Animal-Studies an der Uni Innsbruck analysiert hat. „Warum sind Tiere so defizitär beschrieben? Was wäre denn ein perfektes Becken?“, sprudelt es aus der Forscherin heraus.

Sie verglich alle 19 Buchserien für das Fach Biologie und Umweltkunde der Sekundarstufe 1 (für Zehn- bis 14-Jährige) aus dem österreichischen Bildungssystem (AHS und Mittelschule). „Mich hat überrascht, wie wertend die Beschreibungen von Tieren sind. Als perfekt wird meist der Mensch angesehen. Die Perspektive der Tiere wird ausgeklammert.“

Die über 50-Jährige ist im zweiten Bildungsweg zur Forschung gekommen und analysierte für ihre Diplomarbeit an der Uni Innsbruck Frauen in der Jagd. „Damals habe ich mich gefragt, wie unser Bild von Wildtieren zustande kommt. Was lernen Kinder über Tiere, und wie prägt das unsere Sicht als Erwachsene?“ Die Einteilung von Tierarten in Wildtiere und Wild, also „jagdbare“ und „nicht jagdbare“ Tierarten, ist implizit in jedem Biologie-Schulbuch festgeschrieben. „Doch das hat nichts mit der Biologie der Tiere zu tun! Die Kategorien sind kulturell entstanden, rein nach Nutzenabwägungen des Menschen. So etwas prägt die Mensch-Tier-Beziehung.“

Die Sprechweisen hinterfragen

Nach der Methode der „Kritischen Diskursanalyse“ ging sie vielen Fragen auf den Grund: „Ich trenne zunächst zwischen Fachwissenselementen und soziokulturellen.“ Die kritische Analyse versucht herauszufinden, was in Texten und Bildern mitschwingt – was unbewusst vermittelt und was nicht gesagt wird. „Die Studie hat eine politische Komponente, weil man die vorherrschenden Einstellungen der gesellschaftlichen Ordnung prüft und die Sprechweisen über Tiere hinterfragt“, sagt Schmid.

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