Der "Feel Good-Faktor" im Justizministerium scheint sich mit der neuen Ministerin sprunghaft erhöht zu haben. Karin Miklautsch gilt im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Dieter Böhmdorfer als umgänglich und jovial. Sie ist selbst mit Sekretärinnen per Du, hält sich an Vorlagen von Beamten, ist wissbegierig - und ihr Lachen schallt häufig durch die Gänge des Palais Trautson. Sie lässt mit sich reden und ist nicht beratungsresistent, was aber teils auch auf ihre mangelnde politische und juristische Erfahrung zurückgeführt wird.
Wenn es um politisch heikle Themen geht, hört Miklautsch auf den noch unter Böhmdorfer ins Kabinett geholten FP-Mann, Rüdiger Schender. Der ist nicht nur der Sohn des früheren Volksanwalts, FP-Urgestein Horst Schender, sondern war in der vergangenen Legislaturperiode auch Abgeordneter zum Nationalrat. Schender, der dieser Tage seiner dreißigsten Geburtstag gefeiert hat, zog 1999 mit gerade einmal 25 Jahren ins Parlament ein, verlor aber sein Mandat nach dem katastrophalen Abschneiden der FPÖ bei der vorverlegten Nationalratswahl 2002 prompt wieder.
Schender war eine der letzten Veränderungen, die Böhmdorfer vor seinem Rücktritt als Justizminister im Juni dieses Jahres in seinem Kabinett vorgenommen hatte. Der Verschleiß seiner Kabinettsmitglieder war legendär. In den vier Jahren seiner ministeriellen Tätigkeit verbrauchte er gut zwei Dutzend Mitarbeiter, die sich zwecks Aufarbeitung ihrer Erlebnisse regelmäßig zum - launigen - Stammtisch zusammen finden.
Der Ex-Anwalt und nunmehrige Nationalratsabgeordnete schrie schon einmal lauthals im ehrwürdigen Palais. Gleichzeitig aber ist sein Arbeitseinsatz legendär. Ein Glück für seine fröhliche Nachfolgerin: Viele Arbeitsvorhaben sind nicht mehr übrig geblieben, die die gute Stimmung im Ministerium trüben könnten.