Sein Team und seine Pläne präsentierte der Bundespräsident - ungewohnt für ein Staatsoberhaupt - bei einer Pressekonferenz.
Wien (c. d.). Heinz Fischer ist nicht zum ersten Mal im Presseclub Concordia. Dennoch ist es eine Premiere: Seine Antrittspressekonferenz als Staatsoberhaupt fällt schließlich aus dem protokollarischen Rahmen. Betont locker nippt der Präsident am kleinen Mokka. Kurzer Smalltalk, leicht gezwungen, dann geht's los. Es bleibt am ewigen Fischer-Begleiter Bruno Aigner, den bitteren Rest des kleinen Schwarzen zu kippen.
Doch der Präsident ist zufrieden, mit sich und seinem Rundherum. "Ich habe noch nicht einmal ein halbes Prozent meiner Amtsausübung hinter mir. Ich hoffe aber, dass für die restlichen 99,5 Prozent die Richtung stimmt." Ungewöhnlich ist nicht, welche Staatsgäste Fischer auf diesem Weg empfängt (demnächst den Schweizer Präsidenten Joseph Deiss und den deutschen Horst Köhler). Ungewöhnlich ist, wen Fischer auf seinem Weg mitnimmt - neben den logischen Begleitern wie Aigner und seiner Büroleiterin Susanne Gaugl. Fischer sucht nämlich Verstärkung in einem Bereich, in dem er ohnehin firm ist: Ludwig Adamovich zieht - ehrenamtlich, aber mit eigenem Schreibtisch - in die Hofburg ein.
"Er kann nur ein Gewinn sein", begründet Fischer die Wahl. Der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofes sei keinesfalls dazu da, sich gegen Kompetenzbeschneidungen im Rahmen des Österreich-Konvents zu wappnen. "Andreas Khol hat mir versichert, dass nichts ohne Konsens mit dem Bundespräsidenten geschieht. Das ist eine Versicherungspolizze, auf die man sich verlassen kann." Warum dann Adamovich? "Weil er nichts mehr werden will, immer unabhängig war, nichts gewinnt und unsere Entscheidungen dadurch mehr Gewicht bekommen".
Prinzipiell aber, beteuert das Staatsoberhaupt, "mische ich mich in die Tagespolitik nicht ein." Dass Sozialminister Herbert Haupt demnächst zur Unterredung kommt und auch die Sozialpartner - Thema Pensionsharmonisierung - erfolge auf jeweiligen Wunsch. Fischer fasst das - gar nicht unpolitisch und im Gegensatz zum Kanzler - so auf, dass es bei der Harmonisierung noch einiges zu harmonisieren gibt. "Wie so oft sind Einzelheiten sehr sensibel." Anscheinend auch für Sankt Pöltens Bischof Kurt Krenn, der Fischer heftig kritisierte, was dieser nicht versteht. "Ich habe nur gesagt, dass mich die Priesteraffäre betroffen macht. Das ist die volle Wahrheit und im Sinne meines alten Freundes, Bischof Kapellari."
Kommt dieser übrigens zu Fischer auf Besuch, dann bleibt den beiden nur die Wahl zwischen imperialem Hofburg-Rahmen oder Fischers intimer Privatunterkunft in der Josefstadt. Denn Fischer verweigert standhaft Amtsvilla wie Sommerresidenz, will allenfalls über ein Esszimmer für kleinere Staatsdiners in der Hofburg diskutieren. "Wohnen bleibe ich aber in der Josefstädter Straße", so der betont volksnahe Präsident, der zum Entsetzen seiner Sicherheitskräfte gleich auch noch Haus-, Türnummer und Stockwerk seiner Privatadresse bekannt gibt.