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Der Untergang des Abendlands

Thomas Bernhard, das Ende des „Volksblatts“ - und was das eine mit anderen zu tun hat.

Es ist wie eine Ironie der Geschichte, dass Thomas Bernhard auf dem Grinzinger Friedhof seine Ruhestätte gefunden hat, nur ein paar Reihen entfernt vom „Zeitungsbaron“ Hans Dichand. Hat sich der „Dichterfürst“ und Lodenträger mit dem Habitus eines Landadeligen aus Ohlsdorf, der die österreichische Presse, die „naturgemäß durch und durch korrupt und verkommen ist“, in seinem Furor mit Schmähtiraden – unter anderem in seinem Stück „Der Theatermacher“– bedacht hat, im Grab umgedreht?

In den 1950er-Jahren, als Bernhard noch nicht der weltberühmte Suhrkamp-Autor war und sich von seinen Freunden aushalten ließ, schrieb er kleinere Texte für ebenjene Zeitungen, darunter die Erzählung – schon damals nicht ganz taufrisch – „Der Untergang des Abendlands“ für das „Linzer Volksblatt“. Nun, da das „Oberösterreichische Volksblatt“ das Ende seines Printformats mit Ende des Jahres avisiert hat, tragen manche eine Träne im Knopfloch.

Und einige vergießen Krokodilstränen, nicht zuletzt in der oberösterreichischen ÖVP, ihrem Eigentümer. Per „Klartext“, unter dem legendären Chefredakteur Peter Klar, folgte das Blatt der Partei durch alle Höhen und Tiefen, schwarz bis ins Mark und zwischendurch kurz türkis. Am Dienstag trägt das Linzer Blatt Trauerflor – und mit ihm neuerlich die Zeitungsbranche.

E-Mails: thomas.vieregge@diepresse.com

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