Insolvenz

Kika/Leiner-Sanierung: Die ersten zehn Prozent fließen in wenigen Wochen

Der Sanierungsplan wurde angenommen, der Fortbestand von Kika/Leiner ist damit vorerst gesichert.
Der Sanierungsplan wurde angenommen, der Fortbestand von Kika/Leiner ist damit vorerst gesichert. Clemens Fabry
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Die Mehrheit der Gläubiger stimmte dem Sanierungsplan zu. Das Unternehmen wird fortgeführt, 1770 Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Wien. Kika/Leiner ist vorerst gerettet. Am Montag fand am Landesgericht St. Pölten die entscheiden­de Sanierungsplantagsatzung statt. Die große Mehrheit der Gläubiger stimmte dem verbesserten Sanierungsplan zu. Demnach erhalten die mehr als 500 Gläubiger eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren. Zehn Prozent fließen als Barquote in wenigen Wochen, jeweils fünf Prozent sollen binnen 16 und 24 Monaten ab Annahme des Sanierungsplanes bezahlt werden. Das teilten AKV, Creditreform und KSV1870 mit.

Zusätzlich erhalten die Gläubiger von der Signa Holding GmbH weitere 20 Mio. Euro. Diese sogenannte Superquote mache bis zu 14 Prozent aus, heißt es seitens der Gläubigerschützer. Grundlage ist ein Vergleich mit René Benkos Signa als früherer Eigentümerin, die erste von vier Raten wurde bereits bezahlt. Diese zusätzliche Quote soll in zwei Etappen an die Gläubiger ausgeschüttet werden – jeweils in den ersten Monaten 2024 und 2025.

Bei der Großinsolvenz geht es insgesamt um Gesamtpassiva von rund 131,6 Mio. Euro. Rund 49,6 Mio. Euro davon entfallen auf die Republik Österreich. Die Dienstnehmerforderungen werden sich laut KSV1870 in Summe auf rund 53,7 Mio. Euro belaufen. Durch die Annahme des Sanierungsplans sei der Fortbestand des Unternehmens gesichert, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV, zur „Presse“. Damit bleiben – von insgesamt 3300 von der Insolvenz betroffenen Arbeitsplätzen – 1770 Jobs erhalten. Rund 200 Beschäftigte haben das Unternehmen von sich aus verlassen.

Abverkauf „besser als erwartet“

Kika/Leiner habe einen nachvollziehbaren Businessplan für die nächsten zwei Jahre vorgelegt. „Daher haben die Gläubiger mit den erforderlichen Mehrheiten dem vorgelegten Sanierungsplan zugestimmt“, wird Insolvenzverwalter Volker Leitner in einer Aussendung des Unternehmens zitiert. Wesentliche Restrukturierungsschritte seien bereits erfolgreich umgesetzt worden, hieß es seitens das Unternehmens. Der Abverkauf sei sogar besser gelaufen als geplant. Der KSV betonte auch den Beitrag des derzeitigen Eigentümers (Hermann Wieser) und der Vermieterin zum Fortbestand: So sicherten Zuschüsse des Eigentümers Gutscheine und Anzahlungen ab. Die Supernova-Gruppe als Vermieterin half durch einen Zuschuss und Stundungen und verzichtete für den Fall der Fortführung auf Schadenersatz wegen der vorzeitigen Auflösung der Mietverträge für die 23 geschlossenen Filialen.

Der Insolvenzrichter wird den Sanierungsplan wohl in den nächsten Tagen bestätigen. Damit werde die Aufhebung der Insolvenz nach der Rechtsmittelfrist von drei Wochen, also Mitte Oktober 2023, rechtskräftig, hieß es seitens des Unternehmens. Dem verbesserten Sanierungsplan zugestimmt hat auch die Finanzprokuratur als Anwalt der Republik – und zwar laut APA unter anderem, weil es eine „harte Patronatserklärung“ für die vollständige Zahlung der weiteren Quoten gibt und eine Fortbestands- und Standortvereinbarung für alle Filialen bis Ende 2026 vereinbart wurde. Bei Verletzung der Standortzusage müsse der Möbelketten-Eigentümer an alle Gläubiger eine zusätzliche Quote zahlen.

Zuvor hatte der Chef der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, massive Kritik am aus seiner Sicht zu billigen Vergleich mit Signa geäußert – dieser spiegle deren unternehmerische Verantwortung nicht wider. Die Geltendmachung weiterer Ansprüche gegenüber dem bisherigen Eigentümer ist nun nämlich nicht mehr möglich. Auf den Vergleich geeinigt hatte man sich bereits vor rund zwei Wochen – und damit recht früh vor der entscheidenden Tagsatzung. Was die Frage aufwerfen kann, ob mit zäherem Verhandeln noch mehr erreichbar gewesen wäre. Bei einem Scheitern hätten andererseits langwierige – und teure – Gerichtsprozesse den Abschluss des Insolvenzverfahrens wohl um Jahre hinausgezögert.

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