Die zerstrittene ÖVP in Innsbruck hat sich auf einen Kandidaten geeinigt: Florian Tursky, derzeit Staatssekretär im Finanzministerium, wird Spitzenkandidat. Das könnte einen Umbau im ÖVP-Regierungsteam anstoßen - sowie eine weitere Abspaltung der Stadtpartei.
Die ÖVP und die Liste „Für Innsbruck“, die einst aus der ÖVP hervorging, haben sich auf einen Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahl im kommenden Jahr geeinigt: Der Staatssekretär für Digitalisierung im Finanzministerium, Florian Tursky (ÖVP), wird sich offiziell um die Kandidatur parteiintern bewerben. Anfang Oktober soll der Innsbrucker ÖVP-Parteivorstand Tursky zum Spitzenkandidaten nominieren, beim darauffolgenden Stadtparteitag im November soll er gewählt werden, wie der ORF online berichtet.
Ob Tursky auch nach der Gemeinderatswahlm, die im April 2024 stattfinden wird, als Staatssekretär bleibt, wollte man auf „Presse“-Nachfrage vorerst nicht beantworten. Dort verweist man auf eine Pressekonferenz, die Tursky am Dienstag um 15 Uhr am Innsbrucker Bergisel geben wolle.
Zerstrittene Stadtpartei droht weitere Abspaltung
Tatsächlich gilt die Einigung als historische Zusammenführung nach internen Streitereien, die bereits 30 Jahre andauern. 1993 spaltete sich die Liste „Für Innsbruck“ unter dem späteren Landeshauptmann Herwig van Staa von der Stadt-ÖVP ab. Von da an holte die bürgerliche Fraktion den Bürgermeister, bis 2018 der grüne Georg Willi übernahm.
Doch die Einigung mit den beiden ÖVP-Lagern könnte den jetzigen ÖVP-Vizebürgermeister Hannes Anzengruber zu einer weiteren Abspaltung motivieren: Dieser kündigte per Facebook-Video am Sonntag an, ebenfalls als Spitzenkandidat kandidieren zu wollen. Zuvor hatte er mit einem Brief an Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) für Aufsehen gesorgt, um sich gegen seine Abwahl zu stemmen. In diesem hatte er von Mattle eine ÖVP-interne Mitgliederbefragung eingefordert.
Dieser aber bezog klar Position für Tursky: Mattle sprach am Dienstag von einer „historischen Einigung“, denn „die bürgerlichen Kräfte in Innsbruck treten wieder geeint auf und ziehen zum Wohle der Stadt an einem Strang“. (red.)