Pizzicato

Die Reblaus und der Flaschengeist

Die Parteien kehren zu ihren Wurzeln zurück - die ÖVP zu Leopold Figl, die SPÖ zum Austromarxismus. Und die FPÖ geht unter ihrem „Volkskanzler“ in spe noch weiter zurück.

Steht es so schlecht um unser Österreich Anno Domini 2023, 78 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, da manche den Dritten Weltkrieg vor der Tür wähnen? Frieren die Österreicher in ihren Wohnungen in diesen sonnendurchfluteten Spätseptember-Tagen? Sammeln sie Holz in Wäldern, karren sie Kohle heran? Über Nacht klauen Übeltäter fast drei Tonnen Weintrauben aus Wiener Hängen, um einen Gemischten Satz zusammenzubrauen.

In „Zeiten wie diesen“ (B. Kreisky) kehren die Parteien zu ihren Wurzeln zurück. Unter dem Motto „Glaub an Österreich“ beschwört die ÖVP unter Karl Nehammer ihren Säulenheiligen Leopold Figl. Der bauernschlaue Reblaus-Kanzler aus dem Tullnerfeld rang den Sowjets nicht nur den Staatsvertrag ab. Er besiegte auch Nikita Chruschtschow in einer Wette, in der es darum ging, wer den besseren Kukuruz produziere – die Ukraine oder das Tullerfeld. Das Schwein, den Wetteinsatz, blieb der Sowjetführer schuldig.

Währenddessen lässt die Babler-SPÖ den Geist des Austromarxismus aus der Flasche und beruft sich auf die Voodoo-Ökonomie Bruno Kreiskys. Und die FPÖ geht unter ihrem „Volkskanzler“ in spe noch weiter zurück: Aus einem Video der FPÖ-Jugend spuken in einer Balkonszene auf dem Heldenplatz die braunen Gespenster des Tausendjährigen Reichs.

E-Mails an: thomas.vieregge@diepresse.com

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