Nach langem Zögern liefern die USA der Ukraine nun das moderne Raketensystem „Atacms“. Damit kann Kiew Ziele weit hinter der Front angreifen.
Für das offizielle Russland galt die ukrainische Gegenoffensive bereits wenige Tage nach ihrem Beginn als Fehlschlag. Moskau vermeldete einen Erfolg nach dem anderen, insbesondere wie die russische Armee angeblich mit deutschen Leopard-Panzern, den amerikanischen Bradleys und Himars-Raketenwerfern aufräumte. Dass dabei mehr zerstört worden sein sollen, als tatsächlich geliefert wurden, mag am propagandistischen Eifer oder an den zahlreichen aufblasbaren und hölzernen Attrappen der Ukraine liegen. Selbst Wladimir Putin hatte sich im Staatsfernsehen über die „völlige Nutzlosigkeit“ der ukrainischen Angriffe lustig gemacht. Aber mittlerweile scheint der Präsident nicht mehr zu Witzen aufgelegt zu sein. Denn Putin soll seinem Verteidigungsminister ein Ultimatum gestellt haben. Sergej Schoigu soll bis Anfang Oktober den ukrainischen Vormarsch stoppen, zudem Gegenangriffe starten und auch noch eine ukrainische Stadt einnehmen. Das hat das renommierte US-Institut für Kriegsstudien (ISW) diese Woche mit Berufung auf Insiderquellen im Kreml gemeldet.
Man könnte es Putin wirklich nicht verdenken, sollte er Schoigu unter Druck gesetzt haben. Denn für Russland läuft es im Ukraine-Krieg schon wieder einmal nicht gut. Der ukrainische Durchbruch bei den Surowikin-Verteidigungslinien an der Saporischschja-Front mag Anlass zu ernsthafter Sorge sein. Wobei man aber den feindlichen Vorstoß über Truppenverstärkungen zumindest vorläufig verlangsamen kann. Weitaus bedrohlicher ist dagegen der Abnutzungskrieg, den die Ukraine seit Monaten mit zunehmender Vehemenz weit hinter den Kontaktlinien führt. Und die Zermürbung dürfte mit der neuen Lieferung von amerikanischen Präzisionsraketen vom Typ Atacms, mit 300 Kilometern Reichweite, zusätzlich an Brisanz gewinnen.