Analyse

They Are Lovin‘ It – der Wahlkampf ist eröffnet

Bundeskanzler Karl Nehammer (Archivbild)
Bundeskanzler Karl Nehammer (Archivbild) APA / Roland Schlager
  • Drucken
  • Kommentieren

Karl Nehammer zahlt 1,40 Euro auf das Konto der SPÖ ein. Wobei: Letztlich bedient hier jeder seine eigene Klientel.  

Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Video daher. Die SPÖ lag noch angeschlagen im Eck wegen der fehlgeleiteten Sora-Strategie, da tauchte am Abend plötzlich ein Handy-Video mit Karl Nehammer von vor ein paar Wochen auf. Umgehend befeuert von SPÖ-Sympathisanten und -Politikern in den Sozialen Medien.

Ein Video, das auf das SPÖ-Konto einzahlt, wie bestellt zur Erzählung des Andreas Babler passt. Dieser hatte noch als Kandidat für den SPÖ-Vorsitz das Thema Kinderarmut hochgezogen. Durchaus geschickt, denn dagegen lässt sich nur schwer argumentieren: Wer das kritisch hinterfragt, läuft Gefahr, als Unmensch geframed zu werden.

Karl Nehammer, der hemdsärmelige Kanzler, der gern frei von der Leber weg redet, wenn er sich unter seinesgleichen glaubt, ist in diese Falle getappt. Denn irgendwer hat das Video von einer ÖVP-Veranstaltung in einer Salzburger Vinothek dann doch geleakt.

Das ist zwar jetzt unangenehm, muss aber auch nicht zwingend schaden. Denn man kann davon ausgehen, dass in jener Klientel, die Nehammer ansprechen möchte, ein großer Teil genauso denkt wie er: Für das Wohl der Kinder sind in erster Linie einmal die eigenen Eltern verantwortlich, nicht der Staat.

Wenn Nehammer emotional wird, verliert er mitunter auch leicht die Spur: der McDonalds-Vergleich war vielleicht nicht ganz stilsicher gewählt und offenbar vertat er sich auch bei Teilzeit und Vollzeit. Die Alternative, der beherrschte und jedes Wort abwägende Sebastian Kurz, war allerdings vielen auch wieder nicht recht.

Der Wahlkampf ist jedenfalls eröffnet. Andreas Babler lud gleich einmal zur Eilt-Pressekonferenz, präsentierte sich dort fast schon staatstragend mit Krawatte. Karl Nehammer wiederum schoss ein Video nach – dieses Mal selbst aufgenommen. Auf seiner Botschaft blieb er drauf.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.