Krise in Südosteuropa

Kosovo wirft Serbien „Annexionspläne“ vor

Ein Kosovo-Polizist im Ort Banjska. Seit der Attacke serbischer Bewaffneter vor einer Woche steigen die Spannungen.
Ein Kosovo-Polizist im Ort Banjska. Seit der Attacke serbischer Bewaffneter vor einer Woche steigen die Spannungen.Reuters / Ognen Teofilovski
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Belgrad wolle Kontrolle über Norden des Kosovo übernehmen, klagt Prishtina. London stockt KFOR-Truppe auf. Österreich schickt vorerst keine weiteren Soldaten.

Ein ist ein schwerer Vorwurf, den der Regierungschef des Kosovo erhebt: Der jüngste Angriff bewaffneter serbischer Paramilitärs sei Teil eines noch größeren Plans gewesen, schrieb Albin Kurti am Montag auf X/Twitter. Ziel der serbischen Operation: „Den Norden des Kosovo mit Angriffen auf 37 verschiedene Positionen zu annektieren, und einen Korridor nach Serbien zu errichten.“ Durch diesen Korridor hätten dann weitere Waffen und Kämpfer in den Nordkosovo geschleust werden sollen, behauptete Kurti unter Berufung auf Dokumente, die die Kosovo-Polizei sichergestellt habe.

Seit der Attacke der Maskenmänner vor einer Woche sind die Spannungen zwischen Serbien und der Kosovo-Regierung in Prishtina sukzessive gestiegen. Die rund 30 serbischen Angreifer hatten im vor allem von Serben bewohnten Norden des Kosovo einen kosovarischen Polizisten getötet und einen weiteren verletzt. Danach verschanzten sie sich auf dem Areal des orthodoxen Klosters beim Ort Banjska. Drei von ihnen starben bei einem Feuergefecht mit Kosovos Sicherheitskräften.

Kosovos Präsidentin: „Belgrad plant Krim-Modell“

Prishtina wirft Serbiens Führung vor, die Attacke sei nur der Anfang weiterer Aktionen gewesen. Belgrad plane, mit Gewalt gegen den Kosovo vorzugehen. Die Präsidentin des Kosovo, Vjosa Osmani-Sadriu, sprach von einem „Krim-Modell“, das Belgrad umsetzen wolle. Und Außenministerin Donika Gervalla-Schwarz warnte im Deutschlandfunk: „Toleriert die internationale Gemeinschaft das Vorgehen Serbiens, wird es einen Krieg geben.“ Laut Meldungen aus Prishtina und den USA hat Serbien Truppen an der Grenze zum Kosovo zusammengezogen. Der serbische Präsident, Aleksandar Vučić, bestreitet das jedoch. Der serbische Generalstabschef, Milan Mojsilović, sagte am Montag, die Zahl der Soldaten an der Grenze sei von 8350 auf 4500 reduziert worden.

Österreich ist nicht für Reservekräfte vorgesehen

Wegen der gespannten Lage schickt Großbritannien 200 weitere Soldaten in den Kosovo, die dort die Friedenstruppe KFOR unterstützen sollen. Österreich wird sein Kontingent aber derzeit nicht aufstocken. Das berichtet der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, der „Presse“. Grund dafür: Es werde von der KFOR schon Jahre zuvor festgelegt, welche Länder die Reservekräfte stellen. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn – so wie jetzt – zusätzliche Soldaten benötigt werden. Dieses Mal seien Truppen aus Großbritannien an der Reihe. Österreichische Einheiten seien nicht für diese Reservekräfte vorgesehen gewesen.

Das Bundesheer hat rund 270 Soldaten als Teil der KFOR im Kosovo im Einsatz. Von den jüngsten Auseinandersetzungen seien die Bundesheersoldaten nicht unmittelbar betroffen gewesen, schildert Bauer. Die Zusammenstöße fanden im Norden statt. Die Österreicher seien im Süden und Westen des Kosovo stationiert. „Wir beobachten die Situation aber genau“, sagt Bauer.

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