Trotz sinkender Preise an der Börse und in vielen EU-Staaten zahlen heimische Haushalte immer mehr für Fernwärme und Gas. Warum sind die Nachwehen der Krise so heftig?
Wien. Wie geräuschlos eine Heizsaison doch beginnen kann. Ein Jahr nachdem das Land vor dem nahenden Gasnotstand gezittert hat, müssen heute – bei sommerlichen 30 Grad – die Energiekonzerne schon selbst dafür sorgen, dass der kommende Winter überhaupt registriert wird. So wie die Salzburg AG, die ihre Kundinnen und Kunden dieser Tage mit einer Verdoppelung des Gaspreises schockiert und bei der E-Control für Verwunderung gesorgt hat. An den Börsen sehen wir „in den letzten Monaten eher eine Beruhigung“, sagt Johannes Mayer, Chefvolkswirt des Energieregulators. Das milde Wetter, volle Gasspeicher und die Flaute in der Industrie drücken den Gaspreis in Europa (siehe Grafik). Eine gute Argumentationsgrundlage für die Verdoppelung der Preise sieht anders aus.
„Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern haben wir in den vergangenen 18 Monaten unsere Preise nicht erhöht“, rechtfertigt Michael Frostl von der Salzburg AG den Schritt. Aber der landeseigene Versorger ist kein Einzelfall. Blickt man auf die Inflationsstatistik von Eurostat, fällt auf, dass die Österreicher seit Kriegsbeginn mit besonders stark steigenden Preisen bei Gas und Fernwärme zu kämpfen haben. „In den vergangenen Jahren sind die Gasimporte aus Russland zwar zurückgegangen, die Kosten aber gestiegen“, sagt Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas. Während Strom und Öl heuer konstant billiger wurden, zogen die Endkundenpreise für Fernwärme und Gas bis zuletzt an. Seit August 2021 hat sich der Gaspreis in Österreich verdreifacht, seit Jahresbeginn um ein Fünftel erhöht. In vielen anderen EU-Ländern fallen die Preise seit Monaten (siehe Grafik).