Mein Donnerstag

Bleibt uns nicht einmal das Wetter?

Badewetter im Oktober? Das kann schon einmal beunruhigen.
Badewetter im Oktober? Das kann schon einmal beunruhigen. APA / Barbara Gindl
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Die Schweiz unter den Gesprächsthemen ist nicht mehr neutral.

Man braucht sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn man behauptet, dass das Wetter im letzten Monat etwas verrückt gespielt hat. Ja, mittlerweile hat man vom Klimawandel schon oft gehört, weiß, dass die Durchschnittstemperaturen steigen werden. Trotzdem hat einen das Wissen nicht darauf vorbereitet, wie es sich anfühlt, wenn in den ersten Oktobertagen plötzlich 30 Grad gemessen werden. Klar, am Abend im Gastgarten zu sitzen kann richtig schön sein. Und trotzdem bleibt da dieser beunruhigende Beigeschmack. Dieses Gefühl, dass alles nicht mehr so ist, wie es sein sollte.

Dass es nicht nur mir so geht, habe ich in letzten Tagen öfter mitbekommen. Schließlich redet man übers Wetter schnell einmal. Plötzlich gesellt sich in den ausgetauschten Floskeln zum „herrlich“ ein „arg“, zum „schön“ ein „extrem“. Ein Kollege hat es dann ziemlich treffend ausgedrückt: „Jetzt schwingt sogar schon beim Wetterthema die Apokalypse mit.“

Es stimmt: Das Wetter war doch immer der unverfänglichste Gesprächsstoff. Auf das man immer ausweichen konnte, wenn man mit dem Gegenüber sonst keine Anknüpfungspunkte hat, oder wenn alles andere zu heikel ist. Das Wetter, unser aller gemeinsamer Nenner. Die Schweiz unter den Gesprächsthemen. Bleibt uns nicht einmal mehr das?

Spricht man jetzt über das Wetter, kann man nie sicher sein, ob im nächsten Moment nicht eine hitzige Klimadiskussion losbricht. Da sind auch Politik, Ideologien und Emotionen nicht weit. Worüber also dann reden? Corona? Puh, gefährlich. Hunde vielleicht, die mag ja (fast) jeder. Wenn sie nicht gerade Kampfhunde sind. Über den Verkehr? Was man gegessen hat? Auch da sind Grundsatzdiskussionen nicht weit.

Man könnte auch einfach still sein. Nein, also zumindest das ist eindeutig keine Option.

E-Mails an: teresa.wirth@diepresse.com


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