Einspruch

Ist es nah von Hamas zum Holocaust?

Die 9/11- und Holocaustvergleiche, die jetzt kursieren, sind vor allem Aufrufe an bestimmte Zielgruppen, zu maximaler Unterstützung. Im Bild das Münchner Rathaus mit israelischer Flagge, 9. Oktober.
Die 9/11- und Holocaustvergleiche, die jetzt kursieren, sind vor allem Aufrufe an bestimmte Zielgruppen, zu maximaler Unterstützung. Im Bild das Münchner Rathaus mit israelischer Flagge, 9. Oktober. Imago / Sachelle Babbar
  • Drucken
  • Kommentieren

Die Aussage, der 7. Oktober sei „der tödlichste Tag für Juden seit dem Holocaust“ gewesen, macht so wenig Sinn wie die Vergleiche Putins mit Hitler. Aber das ist auch nicht der Zweck.

Israel habe seit 1947 „50 Holocausts“ an Palästinensern verübt, sagte Mahmoud Abbas 2022 bei einem Staatsbesuch in Deutschland. 2019 nannte der Brite Roger Hallam, Mitgründer der Klimabewegung Extinction Rebellion, im „Spiegel“-Interview den Klimawandel „das Rohr“, „durch das Gas in die Gaskammer fließt“ (zur Ermordung der nächsten Generation; ein anderes Mal nannte er den Holocaust „just another fuckery in human history“). Eines ist Abbas und Hallam wohl gemeinsam: dass sie diese für Deutschland ungeheure Provokation sehr gezielt dort platzierten – und zugleich ihren Vergleich als völlig angebracht empfanden.

Die Empörung war und ist berechtigt: Wo sonst, wenn nicht in Ländern wie Deutschland und Österreich, sollte man wachsam sein? Und gerade weil die Wachsamkeit angesichts von Holocaust-Vergleichen sinnvoll ist, sollte man sie auch konsequent betreiben – und sie auch einer Formel entgegenbringen, die momentan in sozialen Medien und Politikerstatements kursiert: der Hamas-Angriff am 7. Oktober sei der „tödlichste Tag für Juden seit dem Holocaust“ gewesen.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.