Interview

Literatur in Slowenien: „Unsere Polizei liest Romane“

„Unser Slang war ein Weg, freier zu sprechen, ohne dafür zur Rede gestellt zu werden, nicht richtig zu sprechen.“
„Unser Slang war ein Weg, freier zu sprechen, ohne dafür zur Rede gestellt zu werden, nicht richtig zu sprechen.“Foto: Jessica Gow/TT/Imago
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Frankfurter Buchmesse. Wegen seiner Literatur wurde er in Slowenien bereits angezeigt. Katharina Tiwald im Gespräch mit Goran Vojnović über die schlechte Stimmung auf dem Balkan, seinen neuen Roman „18 Kilometer bis Ljubljana“ und was es bedeutet, ein „Tschefur“ zu sein.

Stellen Sie sich eine Linie vor: An einem Ende steht „Ich schreibe, weil ich kann“ und am anderen „Ich schreibe, weil ich muss“. Wo auf dieser Linie würden Sie sich platzieren?

Ich schreibe definitiv, weil ich muss. Ich bezweifle, dass ernst zu nehmende Schriftsteller es tun, weil es Spaß macht. Durch mein Schreiben versuche ich zu übersetzen, was ich fühle, ich versuche, meine Ängste und Zweifel auszudrücken, meine Ahnungen. Wenn ich einen anderen Weg finde, das zu tun, außer Dreihundertseiter Literatur zu schreiben, werde ich wahrscheinlich damit aufhören, Literatur zu schreiben.

Was an Marko – der Hauptfigur von „18 Kilometer bis Ljubljana“ – war es, das Sie zehn Jahre, nachdem er erstmals Held Ihres Romans „Tschefuren raus!“ gewesen war, zu ihm zurückgeführt hat? (Anm.: Tschefuren ist der abwertende Ausdruck, der in Slowenien für südslawische Gastarbeiter verwendet wird.)

Ich brauchte seine Schärfe, seinen Mangel an Zweifel, auch seine Wut. Ich musste die Welt durch seine Augen sehen, um meine eigene Wut und Unzufriedenheit mit der Richtung, die die Welt in den jüngsten zehn bis fünfzehn Jahren eingeschlagen hat, auszudrücken. Ich spreche hauptsächlich über den Balkan, wo die Dinge sich in der letzten Zeit von schlecht zu schlechter entwickelt haben, aber es ist anderswo auch kaum besser. Natürlich ist Marko ganz anders als ich, für ihn ist alles schwarz oder weiß. Er sieht oft das, wovor andere Angst haben.

Als ich „18 Kilometer bis Ljubljana“ zu lesen begann, fragte ich mich, ob ich mit dieser Figur wirklich durch 300 Seiten gehen will, vor allem in Anbetracht der Sprache, schließlich haben wir es mit einer Art innerem Monolog zu tun, der mit Grobheiten und Schimpfwörtern durchsetzt ist.

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