Terror in Brüssel

Schwedens Fans bangten bis vier Uhr früh im Stadion

Das Warten auf der Tribüne.
Das Warten auf der Tribüne.APA / AFP / John Thys
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„Es ist so, so krank“: Andreas Richt, Fan-Koordinator der schwedischen Fußballfans, erzählt über die „Nacht der Angst“ von Brüssel. Anhänger versteckten ihre Trikots, mit Bussen und Polizeieskorte ging es „sehr spät, aber professionell und sicher“ in die Hotels.

Die Folgen des heimtückischen Terroranschlages von Brüssel bekamen Schwedens Fußballfans schwer zu spüren. Nicht nur, dass zwei ihrer Landsleute erschossen worden sind, mussten Hunderte stundenlang auf die Räumung des König-Baudouin-Stadions warten. Sie wurden nach dem Abbruch des EM-Qualifikationsspiels (Stand 1:1) dazu angehalten, in ihrem Sektor zu bleiben, das Stadion nicht zu verlassen. Als nach und nah durchsickerte, was passiert ist, setzte laut Augenzeugenberichten ein seltenes Bild ein: Fußballfans zogen der Reihe nach ihre Trikots aus und packten sie aus Angst in ihre Taschen. Für die letzten Zuschauer endete dieser Horror erst um vier Uhr früh. Dann hatten auch sie mit einer Polizeieskorte das Stadion verlassen.

„Es ist so surreal, jenseits aller Realität. Alle wollen einfach so schnell wie möglich von hier weg“, sagt Andreas Richt, Vereinsmanager und Koordinator der schwedischen Fanorganisation „Gula väggen“ in „Aftonbladet“. Nicht nur „Svenska“, auch Belgier waren stundenlang verängstigt im Stadion geblieben. Bilder und Erinnerungen an den 13. November 2015 in Paris wurden wach, auch damals war der Fußball im Mittelpunkt des Angriffes gestanden. Nach dem Spiel Frankreichs gegen Deutschland stürmten Zuschauer auf das Feld, herrschte Panik. In Brüssel blieben sie auf den Tribünen. Belgien hatte die Terrorstufe in der Hauptstadt auf vier erhöht – die höchste Stufe – und die Polizei hatte darauf hingewiesen, dass es am sichersten sei, in der Arena zu bleiben.

„In welcher Welt leben wir?“

Alle Hotels, in denen schwedische Fans untergebracht waren, wurden gesondert unter Polizeischutz gestellt, gab der schwedische Fußballverband an. „Die Zusammenarbeit zwischen Fans, Verbänden und Behörden hat in einer äußerst stressigen Situation sehr gut funktioniert“, sagt SvFF-Sicherheitschef Martin Fredman. Er hatte seine Landsleute über Lautsprecher im Stadion informiert, über Situation, Folgen und weiteren Ablauf. Ab 0:30 Uhr durften die Fans sukzessive in die Katakomben gehen, wo die Spieler und Janne Andersson („In welcher Welt leben wir bitte?“) sie trafen. Es dauerte dann noch eine Stunde, bis sie mit Hilfe der Polizei die Evakuierung starteten. „Alle, mit denen ich gesprochen habe, sind professionell und sicher in ihre Hotels zurückgekehrt“, sagte Richt. „Es ist so, so krank. Ich will einfach nur nach Hause.“

Die Information über die tödlichen Schüsse erreichte ihn zeitgleich mit dem Abspielen der Hymne. Schon da war klar, dass eine „schlimme Nacht“ bevorstehe. „Der erste Gedanke war: Wie können wir sicherstellen, dass alle sicher nach Hause kommen. Und, was sagen wir den Angehörigen.“

Das Spiel wurde beim Stand von 1:1 abgebrochen, über das weitere Procedere wird die Uefa beraten.

(fin)


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