Im Café Merkur in der Wiener Josefstadt kann man bis zum frühen Abend frühstücken und günstig mittagessen.
Ein Lokal, das Taboulé serviert, dazu noch Falafeln – das war in Wien vor 42 Jahren fast schon eine Sensation. Serviert wurde das damals im neu eröffneten Café Merkur. Und gegessen haben das vor allem: Studentinnen und Studenten. Noch heute ist das Café Merkur in der Florianigasse im achten Wiener Bezirk besonders bei Studierenden beliebt. Zehn Minuten zu Fuß zur Hauptuni, zehn ins NIG (Neues Institutsgebäude), sieben Minuten zum Campus beim Alten AKH. Das ist machbar in einer Vorlesungspause. Aber wichtiger noch: Was man in so einer Vorlesungspause im Café Merkur konsumiert, ist für viele noch leistbar: Das Mittagsmenü – Suppe und Hauptspeise – gibt’s um unter zehn Euro und jeweils in einer vegetarischen Variante (9,50 Euro) und einer mit Fisch oder Fleisch (9,90 Euro). Vor Ausbruch der Pandemie lag der Preis für das Mittagsmenü noch zwei Euro darunter, aber diesen Preis zu halten, sagt Betreiber Mehmet Gayir, sei seit den zwei Mieterhöhungen während der Pandemie finanziell einfach nicht mehr drin.
Und es scheint, als störe ihn das selbst am meisten. Denn Studenten, sagt er, sollen sich den Besuch im Kaffeehaus leisten können. „Manche sitzen hier drei Jahre lang bei einem Verlängerten, bis das Studium fertig ist.“ Und das sei auch in Ordnung. Gayir serviert ihnen noch einen Krug Wasser dazu – kostenlos. Das gehöre zur Wiener Kaffeehauskultur halt einfach dazu. Gayir, seit 2009 in Österreich, ist in der Türkei geboren und hat dort Naturwissenschaften auf Lehramt studiert, wie er erzählt. In Österreich ging er dann an die TU – und sei selber oft Gast im Café Merkur gewesen. Das Studium hat er abgebrochen, aber das Kaffeehaus habe ihm keine Ruhe gelassen. Als der Vorbesitzer, der früher noch das „Tunnel“ ein paar Häuser weiter betrieben hat, stirbt und seine Witwe das Café loswerden will, ergreift Gayir die Chance. „Ich will das beschützen, was war“, sagt er. Das Studentencafé soll ein Studentencafé bleiben.
Fluffiges Fladenbrot für arabisches Frühstück
Viel verändert hat Gayir seitdem also nicht. Die Einrichtung (braune Tische, braune Holzvertäfelungen, braune Stühle) ist noch die von vor 42 Jahren. Aber er hat Kunstwerke an die Wände gehängt, den Gastgarten mit Pflanzen gemütlicher gemacht und schnelles Internet angeschafft. Damit die Studierenden ordentlich arbeiten können.
Und er hat das üppige – und vergleichsweise günstige – Frühstücksangebot, für das das Café Merkur schon damals bekannt war, noch erweitert: Neun Variationen (8,90 Euro bis 12,50 Euro) stehen derzeit auf der Speisekarte. Die beliebtesten: das arabische Frühstück (Hummus, Baba Ghanoush, gefüllte Weinblätter) und das türkische Frühstück (Schafskäse, Oliven, Spiegelei, Börek). Das Fladenbrot wird jeden Morgen frisch gebacken, auch Hummus, Baba Ghanoush und Falafeln sind hausgemacht. Bestellen darf man das (und die Eiergerichte) bis 17 Uhr. Für die Zeit danach stehen noch Burger, Bowls, Suppen und Desserts zur Auswahl. Viele Gerichte sind vegetarisch, einige vegan und für fast alle Speisen mit Fleisch gibt es eine zumindest vegetarische Alternative.
Nur Studierende sitzen übrigens nicht im Merkur. Am Vormittag kommen Touristen, zu Mittag Bedienstete von Magistrat und Gericht und am Abend treffen sich hier manchmal sogar noch die, die vor 30 Jahren studiert haben, sagt Gayir. Für immer Studentencafé.