Der US-Präsident sagte Israel volle Solidarität und ein massives Milliardenpaket zu. Den Palästinensern versprach er humanitäre Hilfe – und er rang Israel Hilfslieferungen für Gaza ab. Ägypten will Lkw nach Gaza lassen.
Bei seinem Blitztrip in den Nahen Osten hielt sich Joe Biden länger in der Luft als am Boden der Kriegszone auf. Doch der US-Präsident war de facto rund um die Uhr mit Krisenmanagement beschäftigt, auch während seines Hin- und Rückflugs an Bord, als er mit einigen arabischen Führern Telefongespräche führte. Die Präsidentenmaschine mit ihrer Hightech-Ausrüstung, die sie auch gegen Raketenangriffe schützt, gilt nach Expertenmeinung als einer der „sichersten Orte der Welt“.
Benjamin Netanjahu, der auch intern unter Beschuss geratene israelische Premier, würdigte indes den Solidaritätsbesuch Bidens in Tel Aviv als Premiere eines US-Präsidenten in einem Nahost-Krieg. Tel Aviv hat Jerusalem als Operationszentrum der israelischen Politik abgelöst, zu gefährlich ist die Fahrt vom Ben-Gurion-Flughafen in die Hauptstadt. Netanjahu bedankte sich explizit für die „uneingeschränkte Unterstützung“, wie sie Biden formuliert hat – und zwar „heute, morgen und immer für einen sicheren, säkularen jüdischen Staat“.
Israels Staats- und Regierungsspitze, namentlich Itzhak Herzog und Netanjahu, war als höchstrangiges Empfangskomitee am Flughafen erschienen. Bei der Ankunft streichelte und tätschelte der Premier den US-Präsidenten wie einen alten Freund, als wollte er die Kritik Bidens an der Justizreform und die Differenzen wegwischen. 50 Jahre nach seinem ersten Besuch als Senator sang der Schutzpatron aus Washington ein Loblied auf den „Mut, das Engagement und die Tapferkeit des israelischen Volkes“. „Ich bin stolz, heute hier zu sein.“
Später wird bekannt: Die Diplomatie der USA hat auch einen Erfolg gebracht, was die Versorgung der Menschen in Gaza betrifft. Ägypten hat einen „dauerhaften“ Zugang für Hilfslieferungen über den Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen angekündigt. Wann der auch von Luftangriffen getroffene Grenzübergang aber aufgehen wird, war auch Donnerstagmorgen noch unklar. Biden hatte Mittwochabend nach einem Telefonat mit Sisi mitgeteilt, dass dieser zugesagt habe, „für den Anfang“ zunächst „bis zu 20 Laster“ über den bisher geschlossenen Grenzübergang zu lassen. Danach könnten weitere Lieferungen folgen, hieß es.
Biden wolle die Hilfslieferungen aus Ägypten so lange zulassen, „wie diese Lieferungen nicht die Hamas erreichen“, hieß es weiter. Von israelischem Territorium würden aber keine Hilfslieferungen für die Bevölkerung im Gazastreifen starten, bis die dort herrschende Hamas all ihre rund 200 aus Israel verschleppten Geiseln freigelassen habe.