Kritik Musiktheater an der Wien

Der rätselhafte Tod von Händels „Theodora“ im Café Central

Jacquelyn Wagner als singende Skulptur am Billardtisch.
Jacquelyn Wagner als singende Skulptur am Billardtisch.Monika und Karl Forster
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Händels „Theodora“ spielt in der Regie von Stefan Herheim im Café Central: keine Buhs vom perplexen Publikum.

Ist das noch Händel – oder schon Schubert? Nur zehn Takte umfasst die Orchestereinleitung zur Kerkerszene der tugendhaften Christin Theodora, die der römische Statthalter von Antiochia strafweise einer Massenvergewaltigung preisgeben will. Vier kraftlos pochenden Achtelnoten der Streicher folgt jeweils ein einzelner langer Ton der Flöten. Das Modell wird mehrfach wiederholt und dabei nur leicht abgewandelt. Bejun Mehta drosselt am Pult des feinfühlig-biegsamen La Folia Barockorchesters das Tempo so weit, dass frei schwebende Klangereignisse daraus werden. Die Akkorde der Streicher wechseln, nur der Flötenton bleibt gleich – und von Takt zu Takt wechselt seine harmonische Bedeutung: Wer denkt da nicht an Schuberts Streichquintett?

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