Chemie

Die Probleme von Bayer reißen nicht ab

Der Unkrautvernichter Glyphosat findet in der Landwirtschaft Einsatz.
Der Unkrautvernichter Glyphosat findet in der Landwirtschaft Einsatz. AFP/Jean-Francois Monier
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Der Pharmakonzern Bayer hat einen Rechtsstreit verloren: Einem Kranken wurden 1,25 Mio. Dollar zugesprochen. Zuletzt hatte Bayer einige derartige Prozesse gewonnen.

Leverkusen. Die Bayer AG hat in den USA einen Rechtsstreit rund um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup verloren. Das Unternehmen muss 1,25 Millionen Dollar (1,18 Mio. Euro) an Kläger John Durnell zahlen. Dieser wirft dem Agrar- und Pharmakonzern vor, durch den Kontakt mit dem Unkrautvernichter Roundup an Krebs erkrankt zu sein. Bayer will Berufung einlegen gegen das Urteil. Das Urteil fällte am Freitag ein Geschworenengericht in St. Louis im US-Staat Missouri. „Der Mandant und die Anwälte des Klägers sind äußerst zufrieden und dankbar für das Urteil nach einem hart umkämpften dreiwöchigen Prozess“, sagte Durnells Anwalt Wylie Blair.

Das Urteil beende eine Siegesserie des Unternehmens, bei denen der Konzern in den vorangegangenen neun Roundup-Prozessen gewonnen hat. Der Prozess sei der erste, in dem bewiesen wurde, dass neben dem Hauptbestandteil Glyphosat weitere Chemikalien Krebs verursachen könnten, sagte Blair. Bayer kündigte in einer Stellungnahme an, in Berufung zu gehen. „Wir sind weiterhin von der Sicherheit von Roundup überzeugt und werden die Sicherheit unserer Produkte und unsers Handelns in gutem Glauben in allen zukünftigen Rechtsstreitigkeiten verteidigen“, erklärte das Unternehmen. Klagen im Zusammenhang mit Roundup beschäftigen Bayer, seit das Unternehmen die Marke im Rahmen einer 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Saatgut- und Herbizidherstellers Monsanto Co. im Jahr 2018 erworben hat. Der deutsche Konzern behauptet, jahrzehntelange Studien hätten gezeigt, dass Roundup und sein Wirkstoff Glyphosat keine Gefahr für den Menschen darstellten. Bayer hat die meisten Roundup-Klagen im Jahr 2020 gegen eine Zahlung von bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar beigelegt, sieht sich aber immer noch mit fast 40.000 Klagen im Zusammenhang mit Roundup konfrontiert.

Aktie auf Mehrjahrestief

Mit 41,54 Euro befand sich die Bayer-Aktie zuletzt ohnehin schon nahezu auf einem zehnjährigen Tief. Nur in der zweiten Jahreshälfte 2020 war der Kurs zeitweise noch ein wenig tiefer gefallen. Im Jahr 2018 – dem Jahr der verhängnisvollen Monsanto-Übernahme – hatte eine Bayer-Aktie zeitweise noch mehr als 100 Euro gekostet, im Jahr 2015 hatte sie an der Marke von 150 Euro gekratzt.

Der DAX-Konzern hat seit einigen Monaten einen neuen Chef, Bill Anderson, der die Nachfolge des glücklosen Werner Baumann angetreten hat. Von ihm erwarten nun einige, dass er eine neue Strategie präsentiert und die Bereiche Consumer Health und Crop Science abtrennt und an die Börse bringt und das Konglomerat aus Pharma- und Agrarchemiesparten entflechtet. Die Aktionäre sind aber noch sehr skeptisch, wie die jüngste Kursentwicklung zeigt. Eine der ersten Maßnahmen von Anderson war auch, den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr zu senken.

Bayer hat aber nicht nur Ärger im Agrarchemiegeschäft, auch im Pharmabereich läuft es nicht rund. So gab es zuletzt Umsatzeinbußen beim Blutgerinnungshemmer Xarelto. Für das weiterhin umsatzstärkste Medikament nimmt der Konkurrenzdruck zu, da in verschiedenen Teilen der Erde nach und nach die Patente auslaufen. (APA/red.)

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