Leitartikel

Wohin steuert ein Staat, in den nur 20 Prozent der Bürger einzahlen?

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Der Sozialstaat gelangt nicht nur an seine Leistungsgrenzen. Wenn immer weniger immer mehr ins System einzahlen, gefährdet das die Demokratie.

Es ist eine ziemlich beeindruckende Zahl, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo präsentiert hat. 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher bekommen unter dem Strich mehr staatliche Leistungen, als sie selbst in das System einzahlen. Man nennt das Umverteilung. Und in Sachen Umverteilung ist Österreich unbestritten Weltklasse. Dass „nur“ 20 Prozent der Bevölkerung unser hochdotiertes Sozialsystem am Leben erhalten, ist die andere Seite der Medaille. Etwa ein Drittel unseres Bruttoinlandsprodukts fließt in den sozialen Ausgleich, zuletzt waren es 130 Milliarden Euro.

Das Problem ist, dass ein Großteil der Bevölkerung diese Leistungen gar nicht wertschätzt bzw. wertschätzen kann. 57 Prozent der Österreicher wissen nämlich nicht, was das Bruttoinlandsprodukt ist. Knapp die Hälfte tut sich schwer mit einfachsten Prozentrechnungen. Bis vor Kurzem konnten 30 Prozent mit dem Begriff Inflation nichts anfangen. Zumindest dieses Wissen hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gebessert. Die größten Probleme unseres Sozialstaats sind demnach nicht seine mitunter mangelnde Treffsicherheit und überbordende Bürokratie. Die größte Gefahr geht von Ignoranz, Desinteresse und Unwissenheit aus. Das ist der Nährboden für den Populismus am linken und rechten Rand. Die einen fühlen sich vom Staat betrogen, die anderen propagieren seine Allmacht.

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