Wien

Alessandra Ferri wird neue Staatsballett-Chefin

Ferri 2006 in Romeo und Julia.
Ferri 2006 in Romeo und Julia.imago stock&people
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Wichtige Choreografen unserer Zeit haben Rollen für Alessandra Ferri geschaffen. Im September 2025 folgt sie im Wiener Staatsballett auf Martin Schläpfer.

Sie ist in der internationalen Ballettwelt bei Weitem keine Unbekannte: Alessandra Ferri, die ab September 2025 für fünf Jahre künstlerische Leiterin des Wiener Staatsballetts wird. Sie war Prima Ballerina am Royal Ballet in London und viele Jahre am American Ballett Theatre sowie an der Mailänder Scala. Wichtige Choreografen unserer Zeit haben Rollen für sie geschaffen. Zahlreiche Werke hat sie bei renommierten Truppen einstudiert, als Leiterin der Tanzsparte des Spoleto Festivals sammelte sie Erfahrungen, die ihr nun in Wien zugutekommen werden.

Im Bewerbungsverfahren am Wiener Staatsballett hat sie sich gegen 39 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt. Sie wird Martin Schläpfer ablösen, der 2025 zurücktritt, wohl auch, weil seine eigenen Choreografien bei der Kritik nicht auf Wohlwollen stießen und er sich unglücklich mit der Verbindung zwischen kreativem Schöpfen und großem Aufwand im organisatorischem Tun zeigte.

Die neue Leiterin des Staatsballetts wird nicht choreografisch tätig sein, sondern sich auf das Programmatische und das tänzerische Niveau der Kompanie konzentrieren, wie sie selbst, Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić und Volksopern-Direktorin Lotte de Beer verlautbarten. Ferri habe, so Roščić, „für die komplexe Aufgabe hier einen großen Instinkt und ein tiefes Verständnis gezeigt“, sie sei „begeistert und begeisternd“ und bringe „unglaubliche Erfahrung“ sowie gleichzeitig „Neugier, als würde man die Tanzkunst jeden Tag neu erfinden.“ Auch Lotte de Beer zeigte sich überzeugt, dass Ferri die beiden Häuser mit ihrer Inspirationskraft erfüllen werde. Neben der Direktion der Kompanie, die an Staatsoper und Volksoper tätig ist, wird auch die Leitung der Ballettakademie bei Ferri liegen.

Die zukünftige Direktorin des Staatsballetts bei der PK in Wien.
Die zukünftige Direktorin des Staatsballetts bei der PK in Wien.APA / APA / Tobias Steinmaurer

Ferri selbst zeigte sich bei der Präsentation „überzeugt, dass für mich nun die richtige Zeit für eine solche Aufgabe gekommen ist.“ Sie sei schon öfter gefragt worden, ob sie eine Leitungsfunktion einnehmen möchte. Nun nach 40 Jahren voll des Tanzes, Choreografierens und Einstudierens „möchte ich im Kopf frei dafür sein, meinen Fokus auf die Direktion zu legen und meine Erfahrung, mein Wissen und meine Inspiration auf die jungen Kollegen zu übertragen.“ Sie habe sich kurz gedacht, dass es eigenartig sei, dass sie zwar mit zahlreichen prestigeträchtigen Häusern eine lange Vergangenheit habe, nicht aber mit Wien. „Aber dann merkte ich, dass das gerade ein Vorteil sei, weil ich ohne Einfluss komme und die Tänzer unvoreingenommen ansehe.“ Dadurch, dass sie ihr Leben lang in wichtigen Kompanien tätig war, „weiß ich, was Tänzerinnen und Tänzer brauchen.“

Arbeiten an Feinheiten der Technik

Programmatisches wollte man noch nicht erwähnen, man könne ja erst jetzt mit in Frage kommenden Choreografen in Kontakt treten, hieß es. Doch sie sehe, so Ferri, „die Kompanie als eine mit einer großen Tradition, die aufrecht erhalten werden muss, aber gleichzeitig als eine, die in der Gegenwart lebt und in die Zukunft blickt.“ Ihr Motto sei es, „zu bewahren, indem man vorwärtsblickt“, so Ferri. Sie werde, so die künftige Ballettchefin, schon einige Zeit vor ihrem Antritt viel in den Ballettsälen der Wiener Opernhäuser unterwegs sein, „die Tänzerinnen und Tänzer mögen von mir und ich von ihnen inspiriert werden.“

Nach dem aktuellen Status der Kompanie befragt, sagte Ferri, es sei ein wundervolles Ensemble, es sei aber auch Platz zu wachsen da, gerade, was Feinheiten der Technik betreffe. Sie sehe es als ihre Aufgabe, daran mit den Tänzerinnen und Tänzern zu arbeiten – in vielerlei Bereichen der Tanzkunst. Zwar seien ihr klassische Ballette sehr wichtig, gleichzeitig sei sie „ihre ganze Karriere lang immer offen und neugierig gewesen für Choreografen unserer Zeit – das ist essentiell für die Zukunft unserer Kunst.“

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