SP-Präsidentschaftskandidat Fischer wendet sich gegen jede Ausgrenzung und will als Präsident mit Ferrero-Waldner zusammenarbeiten.
Die Presse: Ihre Wahlkampf-Manager stoßen sich an der Härte der Wahlauseinandersetzung. Ist er denn wirklich so hart?
Fischer: Manche Dinge, die Bergmann und Co (vom Ferrero-Komitee) von sich geben, sind zwar unwahr, aber ich rechne das nicht Ferrero-Waldner an.
Unter Umständen müssen Sie noch mit ihr zusammenarbeiten, so sie im Amt bleiben sollte.
Fischer: Ich werde als Bundespräsident auch mit ihr sehr gut zusammenarbeiten.
Sollten Sie Präsident werden, müssen Sie Ihre Reisen mit ihr koordinieren. Oder werden Sie sich wie Thomas Klestil ein Match mit der Ministerin liefern?
Fischer: Sicher nicht. Ich bin ein verträglicher Mensch. Ich habe mich immer mit Vertretern anderer Parteien sachlich auseinander gesetzt und manchmal sogar ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.
Eines Ihrer Argumente lautet, nicht alle Macht dürfe in die Hand Wolfgang Schüssels, daher müsse Heinz Fischer in die Hofburg. Das heißt, Sie rechnen nicht damit, dass bei der nächsten Nationalratswahl die SPÖ gewinnt?
Fischer: Sie müssen das schon differenzierter sehen. Wenn Pluralismus in unserem politischen System wichtig ist, bezieht sich das nicht nur auf den Bundeskanzler. Der Nationalratspräsident, die Mehrheit der Landeshauptleute, die ORF-Generaldirektorin, der Präsident des Verfassungsgerichtshofs und der Präsident des Rechnungshofes wurden über Vorschlag der ÖVP besetzt. Eine solche Machtfülle entsteht nicht auf der anderen Seite, wenn die SPÖ bei der Nationalratswahl erfolgreich sein sollte.
Würden Sie lieber eine rot-blaue oder eine schwarz-blaue Regierung angeloben?
Fischer: Das ist keine Frage von Vorliebe. Es gibt keine Regierungsvariante, bei der der Bundespräsident bevor ein Wahlergebnis vorliegt, sagen darf, das komme nicht in Frage. Und auch keine Frage, bei der er sagt, das ist die einzige, die in Frage kommt.
Thomas Klestil hat einmal die Angelobung zweier Personen verweigert. Würden Sie das auch?
Fischer: Ich werde auf kein Recht von vornherein verzichten. Warum sollte ich das?
Zuletzt hat das Thema Rot-Blau die Medien beherrscht. Sind Sie verärgert über Ihre Partei, die der Gegenseite Munition liefert?
Fischer: Ich bin nicht verärgert. Ich bin in guter Verfassung. Ich habe meine Prinzipien, die trage ich vor, ohne mich auf falsche Fährten locken zu lassen.
Franz Vranitzky und Alfred Gusenbauer haben unterschiedliche Prinzipien in puncto FPÖ: Zu wem tendieren Sie?
Fischer: Ich nehme nicht Maß an anderen, sondern habe meine eigenen Vorstellungen.
Wie lautet denn Ihr Prinzip?
Fischer: Es ist jenes Prinzip, das ich als Nationalratspräsident zwölf Jahre angewendet habe: in der Politik und von der Zusammenarbeit im Parlament niemanden ausgrenzen. Ich habe mit allen Parlamentsfraktionen zusammengearbeitet. Ich habe andererseits nicht geschwiegen, als Herr Dr. Jörg Haider die ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich lobte oder der frühere FP-Klubobmann Ewald Stadler meinte, zwischen der Phase vor dem April 1945 und der Phase nach dem April 1945 keinen Unterschied zu erkennen. Da werde ich auch in Zukunft nicht schweigen.
Ihre Gegner streuen das Bild eines Politikers, der in brenzligen Entscheidungssituationen den Raum verlässt. Woher kommt das?
Fischer: Es ist Wahlpropaganda, und ich lache darüber.
Sagen wir, die Bundesregierung würde klar in Richtung Nato gehen, wie würden Sie sich als Bundespräsident verhalten?
Fischer: Ich würde meine Argumente dagegen sachlich vertreten. Selbst die Außenministerin, die noch in ihrem jüngsten Buch für den Nato-Beitritt geworben hat, hat die Wendung vollzogen hat.
Würden Sie als Bundespräsident gegen ein Vorhaben wie die Abfangjäger-Beschaffung stärker auftreten, als es Klestil getan hat?
Fischer: Ich glaube, dass ich ein Gespräch suchen würde mit dem Bundeskanzler und mit dem Verteidigungsminister. Man kann Menschen überzeugen.
Dass man als Neutraler Abfangjäger benötigt, glauben Sie nicht?
Fischer: Wir benötigen eine Landesverteidigung, die Probleme haben sich aber verschoben. Terroristische Gefahren kann man nicht mit Abfangjägern bekämpfen. Das ist in Spanien bewiesen worden, in New York und in Istanbul. Wir werden keine schwere Waffen brauchen, um uns gegen einen Großangriff oder Luftschlachten vorzubereiten.
Sie kennen das berühmte "in tiefer Sorge" Klestils. Würden Sie sich oft in tiefer Sorge an uns wenden?
Fischer: Ich werde sicher meinen eigenen Stil entwickeln. Dies und meine anderen Vorhaben sollen nicht als Kritik am amtierenden Bundespräsidenten verstanden werden. Thomas Klestil ist mehrheitlich gewählt worden - ohne meine Stimme.
Wen haben Sie denn gewählt, Ihre Unterstützerin Heide Schmidt oder Ihre Unterstützerin Gertraud Knoll?
Fischer: Das Wahlgeheimnis gilt auch für mich.