Vienna‘s English Theatre

Braucht es englischsprachiges Theater in Wien?

Julia Schafranek posiert in der Bar des Theaters mit Hund Poppy. Sie übernahm das Haus von ihren Eltern.
Julia Schafranek posiert in der Bar des Theaters mit Hund Poppy. Sie übernahm das Haus von ihren Eltern.Christine Pichler
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Vienna’s English Theatre feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen. Die Gründung ist eine Familienerzählung, die Erhaltung eine Heldenreise.

In der Bar des Vienna’s English Theatre wird die Josefstadt zum Dorf. Julia Schafranek sitzt für das Interview am Fenster, und alle paar Minuten winken ihr einzelne ältere Passanten aufgeregt zu. Schafranek erwidert den Gruß einnehmend herzlich, fast familiär. Die Inhaberin des Theaters hat grundsätzlich eine so wohlwollende Ausstrahlung, dass es nicht weiter schwerfällt, ihr zu glauben, wenn sie sagt: „Das Schwierigste an der Leitung war für mich immer die Mitarbeiterführung. Ich bin so harmoniebedürftig, mir fällt es schwer, Distanz zu halten“.

»„Mein Vater hat mir immer gesagt, ein Theater zu erhalten ist ein ewiger Kampf.“«

Mit 23 Jahren hat sie den Betrieb des Vienna’s English Theatre übernommen, nachdem ihr Vater, Regisseur Franz Schafranek, überraschend verstorben und ihre Mutter bereits mit Krebs diagnostiziert worden war. Heuer feiert das Theater sein 60-jähriges Bestehen. „Mein Vater hat mir zeit seines Lebens mit so einer Vehemenz davon abgeraten, dass ich kurz gezögert habe. Das Theater zu erhalten sei ein ewiger Kampf, und ohne Subvention könne es nicht existieren, meinte er“, so Schafranek. Gleichzeitig verband sie so viel damit. Als Kind war sie auf den Sitzen im Theatersaal eingeschlafen, hatte ihre Mutter, Schauspielerin Ruth Brinkmann, in die Gaderobe begleitet, hatte als Jugendliche an der Kassa und Backstage gearbeitet. Schließlich fiel die Entscheidung doch eindeutig aus.

Wie es begann

Ihre Mutter, Ruth Brinkmann, hatte zwar einen Teil ihrer Kindheit in Wien verbracht, mit den Eltern musste sie dann aber vor den Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten fliehen. Nach dem Schauspielstudium an der Yale-Universität kehrte sie nach Wien zurück. Wie viele junge Kunstschaffende in der Nachkriegszeit frequentierte sie das Café Hawelka, an jenem bestimmten Tag Hand in Hand mit Schriftsteller H. C. Artmann, so die Erzählung. Franz Schafranek war ebenfalls da, an seiner Seite eine schwedische Freundin. Wie es der Zufall wollte, heiratete diese schließlich Artmann, und Schafranek verliebte sich derweil in Brinkmann. Die beiden Paare habe eine lebenslange Freundschaft verbunden.

Tennessee Williams und Ruth Brinkmann
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