US-Repräsentantenhaus

„Mike wer?“: Ein „Speaker“ von Donald Trumps Gnaden

Mike Johnson wurde am Mittwoch neuer  Sprecher des Repräsentantenhauses.
Mike Johnson wurde am Mittwoch neuer Sprecher des Repräsentantenhauses.APA/AFP/Tom Brenner
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22 Tage brauchten die Republikaner, um sich zu einem neuen Chef im Repräsentantenhaus durchzuringen – nach Interventionen von Donald Trump. Mike Johnson übernimmt von Kevin McCarthy. Die Partei steckt in einer tiefen Krise.

New York/Washington, D. C. Wer in den vergangenen zwei Wochen News-Benachrichtigungen zur republikanischen Suche nach einem neuen Sprecher im Repräsentantenhaus abonniert hatte, dem wurde nicht langweilig. Beinahe im Minutentakt kamen die Meldungen über den Tumult in der Partei, die es schlicht nicht schaffen wollte, einen Nachfolger für Kevin McCarthy zu finden – und damit eine neue Person für eine der wichtigsten Positionen im politischen System der USA, Nummer drei hinter Präsident und Vizepräsidentin. Das alles in einer der turbulentesten Zeiten der vergangenen Jahre.

Steve Scalise, erster Nominierter, zog seine Bewerbung ziemlich schnell wieder zurück; sein Rivale Jim Jordan, 6.-Jänner-2021-Extremist und innerparteilicher Außenseiter, probierte nach Scalise gleich mehrmals, seine Partei von sich zu überzeugen, scheiterte aber krachend. Dann kam diese Woche Tom Emmer. Wenige Minuten nach der Nachricht über seinen Anlauf auf das Amt des „Speakers“ folgte aber sodann die Meldung, dass Ex-Präsident Donald Trump vehement gegen ihn sei. Es brauchte wenig Zeit, bis Emmer das Feld wieder räumte. Und dann, am späten Dienstagabend, passierte es: Die Republikaner nominierten Mike Johnson, am Mittwoch trat er das Amt an.

„Mike wer?“

„Mike who?“, schrieb ein Kongress-Insider am Mittwoch per SMS. Der neue Sprecher hat keine sieben Jahre im Repräsentantenhaus auf dem Buckel, äußerst kurz für jemanden, der in ein so hohes Amt gewählt wird. Tatsächlich war der Mann aus Louisiana den meisten innenpolitischen Beobachtern bislang kaum aufgefallen. Das gereichte Johnson letztendlich zum Vorteil. Seine Unbekanntheit brachte ihm in der eigenen Partei so wenig Gegenwind, dass er nicht nur die Nominierung, sondern auch die finale Abstimmung im Repräsentantenhaus verhältnismäßig einfach gewinnen konnte. Sie endete mit 220 zu 209 Stimmen für ihn – kein einziger republikanischer Abgeordneter votierte gegen Johnson.

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