ÖVP: Ferrero oder Überraschungscoup?

Wolfgang Schüssel lässt sich mit der Nominierung eines VP-Kandidaten für die Hofburg Zeit. Ist Ferrero-Waldner fix oder prescht der Bundeskanzler mit einem Überraschungskandidaten vor?

Die SPÖ hat am Wochenende den Zweiten Nationalratspräsidenten Heinz Fischer offiziell als ihren Präsidentschaftskandidaten präsentiert. Die ÖVP hingegen hat sich noch immer nicht offiziell entschieden, wer Fischers Herausforderer werden soll. Bisher standen alle Zeichen auf eine Herausforderin: Außenministerin Ferrero-Waldner.

Entscheidung nächsten Donnerstag

Am 15. Jänner will die Kanzlerpartei ihren Kandidaten offiziell aufstellen. Taucht nicht noch ein von ÖVP-Chef Kanzler Wolfgang Schüssel präsentierter Überraschungskandidat auf, ist das Antreten der Außenministerin so gut wie sicher. ÖVP-intern werden Ferrero-Waldner aber keine gute Karten im Duell mit Heinz Fischer vorausgesagt. Nicht alle VP-Funktionäre sind nach einigen Fehltritten der Außenministerin in "Fettnäpfchen" von einer Kandidatur begeistert.

Es wird sogar gemunkelt, dass man gegen Heinz Fischer keine Chance haben würde und daher nur einen "Zählkandidaten" aufstellen werde.

Fischer in Umfragen voran

Die Umfragen sind in der Tat alles andere als optimistisch für die ÖVP: Laut einer "News"-Gallup-Umfrage würden  43 Prozent für Heinz Fischer votieren, nur 40 Prozent wollen Benita Ferrero-Waldner ihre Stimme geben.

Noch eindeutiger sind die Ergebnisse bei einer anderen Fragestellung: Auf die "News"-Gallup-Frage: "Wer wird Ihrer Meinung nach als Sieger aus der Bundepräsidentenwahl hervorgehen" nennen 58 Prozent aller Wähler Heinz Fischer, 37 Prozent sehen Benita Ferrero-Waldner als Sieger.

Auch nach einer für das Nachrichtenmagazin "profil" durchgeführten Umfrage von OGM liegt Heinz Fischer mit 52 Prozent klar vor Ferrero-Waldner mit 40 Prozent.

Keine Kandidaten von Grünen und FPÖ?

Die anderen Parteien haben sich offiziell noch nicht festgelegt. Bei den Grünen scheint eine Kandidatur kaum wahrscheinlich, auch bei der FPÖ wäre ein Antreten trotz öffentlicher "Überlegungen" eine Überraschung.

Nur noch Ferrero im Rennen

Bei der ÖVP waren im Vorjahr mehrere Personen im Gespräch. Der niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll hat abgewunken. Um die beiden ebenfalls genannten Karl Korinek, Präsident des Verfassungsgerichtshofes, und Rechungshofpräsident Franz Fiedler ist es in letzter Zeit ruhig geworden.

Landeshauptleute für Ferrero

Dennoch scheint eine Kandidatur der Außenministerin so gut wie fix. Nach dem Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa und seinem Vorarlberger Amtskollegen Franz Sausgruber sprach sich am Wochenende auch der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll für Ferrero-Waldners Antreten aus. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer wollte zwar Ferrero-Waldner nicht namentlich nennen, machte sich aber in der ORF-"Zeit im Bild" "für eine Frau" als nächste Bundespräsidentin stark.

Trotzdem könnte Wolfgang Schüssel im letzten Moment mit einem Überraschungskandidaten vorpreschen. Denn schon mit Thomas Klestil war ihm ein Coup gelungen: Der damals innenpolitisch unbekannte Diplomat konnte sich gegen den SP-Kandidaten deutlich durchsetzen.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.