Technologieaktien

Amazon und Intel überraschen positiv

Der internationale Onlinehandel trug am stärksten zum Umsatzwachstum von Amazon bei.
Der internationale Onlinehandel trug am stärksten zum Umsatzwachstum von Amazon bei. EPA/Uwe Zucchi
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Das Umfeld für Techwerte bleibt schwierig. Doch die Amazon-Zahlen kamen gut an, der Ausblick von Intel
lässt auf eine Trend­wende hoffen.

Wer dieser Tage seine Quartalszahlen veröffentlicht, hat es nicht leicht: Die Nervosität an den Börsen ist so hoch, dass es leicht passieren kann, dass Aktien trotz guter Zahlen nach unten rutschen. Vor allem Technologieaktien leiden unter der schwindenden Aussicht auf baldige Zinssenkungen. Der technologielastige Nasdaq-100-Index hat seit Juli um elf Prozent korrigiert und damit stärker als der breiter gefasste S&P 500. Wenn nun eine Aktie nach der Zahlenvorlage fällt, ist Rätselraten angesagt, ob den Anlegern irgendein Aspekt der Quartalszahlen oder des Ausblicks nicht gefallen hat – oder ob es sich nur um die allgemeine Abverkaufsstimmung handelt. Zuletzt mussten etwa Alphabet oder Meta Federn lassen. Bei der Google-Mutter hieß es, die Anleger hätten sich am schwachen Wachstum der Cloud-Sparte (plus 22 Prozent) gestoßen, bei Meta verwies man auf den vorsichtigen Ausblick und die hohen Ausgaben für das Metaverse (virtuelle Welten). Dafür konnte der ins Hintertreffen geratene Computer-Dinosaurier IBM wieder mit überraschend guten Zahlen auftrumpfen.

Am Donnerstagabend waren zwei weitere Technologiefirmen mit ihrer Zahlenvorlage an der Reihe: Amazon und Intel. Da an den Börsen wieder Erholung angesagt war, legten beide Aktien kräftig zu.

Cloud wuchs wieder stark

Amazon übertraf beim Umsatz und beim Gewinn die Erwartungen des Marktes. Die Erlöse stiegen im dritten Quartal um 13 Prozent auf 143,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten 141,4 Milliarden Dollar erwartet. Unter anderem lockten die Rabattaktionen am „Prime Day“ Kunden an und trieben den Umsatz nach oben. Der Reingewinn erhöhte sich von 2,9 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf nunmehr 9,9 Milliarden Dollar.

Das Geschäft mit der Cloud-Tochter AWS brachte dem Unternehmen Umsätze in der Höhe von 23,1 Milliarden Dollar ein – etwas mehr als die 23,09 Milliarden Dollar, die die Analysten geschätzt hatten. Im Vorjahr waren es 20,5 Milliarden Dollar gewesen. Hatte das Wachstum vor einem Jahr 27 Prozent betragen, so waren es diesmal zwölf Prozent. Die Anleger zeigten sich dennoch zufrieden. Überdurchschnittlich stark fiel diesmal das Wachstum des internationalen Onlinehandel-Geschäfts mit einem Anstieg von 16 Prozent auf 32,1 Milliarden Dollar Umsatz aus. Die größte Sparte ist indes das Nordamerika-Geschäft mit 88 Milliarden Dollar.

Bei den Analysten kamen die Zahlen gut an. Die UBS bleibt bei ihrer Kaufempfehlung und dem Kursziel von 178 Dollar. Zuletzt wurde das Papier um 127 Dollar gehandelt. Der Konzern habe positiv überrascht und liege mit seinen angepeilten Profitabilitätssteigerungen im Plan, schrieb Analyst Lloyd Walmsley in einer ersten Reaktion am Freitag. Allerdings sei nach Äußerungen des Unternehmens in der Telefonkonferenz unklar, wann sich der Umsatz in der Cloud-Sparte beschleunige.

Die kanadische Bank RBC bleibt bei der relativ guten Empfehlung „Outperform“ und einem Kursziel von 180 Dollar. Die Bullen dürften sich auf die gute Entwicklung der Cloud-Sparte AWS, zuversichtliche Unternehmensaussagen zum Thema künstliche Intelligenz (KI) und die operative Ergebnisentwicklung (Ebit) im Handelsgeschäft fokussieren, schrieb Analyst Brad Erickson in einer am Freitag vorliegenden Studie.

Für die Bären halte der Zwischenbericht derweil eher verhaltene Aussagen zum Konsumverhalten der Verbraucher sowie die im kommenden Jahr wohl steigenden Investitionen im Cloud-Geschäft mit ihren Auswirkungen auf die Margen bereit.

Die Amazon-Aktie hat seit Jahresbeginn um fast 50 Prozent zugelegt. Seit dem Börsengang im Jahr 1997 hat die Aktie ihren Anlegern im Schnitt einen jährlichen Kursgewinn von 32 Prozent beschert. Damit ist Amazon eine der erfolgreichsten Aktien überhaupt. Von Intel kann man das nicht behaupten. Die Aktie des Chipkonzerns hat das Rekordhoch aus dem Jahr 2000 nie wieder erreicht. Auch gegenüber dem Zwischenhoch aus dem Jahr 2021 ist das Papier um fast 50 Prozent zurückgefallen. Heuer ging es bis dato aber nach oben, und auch die jüngsten Zahlen kamen sehr gut an.

Erholt sich Intel?

Intel fuhr im abgelaufenen Quartal zwar den siebten Umsatzrückgang in Folge auf 14,2 Mrd. Dollar ein. Der bereinigte Gewinn war mit 41 Cent aber doppelt so hoch wie erwartet. Besonders gut kam jedoch der Ausblick an: Im Schlussquartal soll der bereinigte Umsatz zwischen 14,6 und 15,6 Mrd. Dollar zu liegen kommen. Das wäre deutlich höher als von Analysten erwartet. Auch die Erwartung eines Gewinns von 44 Cent je Aktie wäre besser als von Aktienexperten bisher angenommen.

Das Unternehmen rechnet mit einer Erholung des Chipmarkts und hofft, vom Künstliche-Intelligenz-Boom zu profitieren. In den vergangenen Jahren war Intel gegenüber Firmen mit klarer Ausrichtung wie Nvidia oder AMD, die lediglich Prozessoren designen, aber nicht selbst fertigen, und reinen Herstellern wie TSMC ins Hintertreffen geraten. Nun will Intel selbst mehr fertigen, auch für andere Unternehmen, unter anderem in Deutschland, Polen und Israel.

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