Hofburg: Selbst ernannte Kandidaten ohne Chancen

Die Palette möglicher Präsidentschaftskandidaten ist bunt. Doch die Hürden sind schier unüberwindlich.

WIEN. Ob Benita Ferrero Waldner und Heinz Fischer die einzigen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl bleiben, lässt sich erst am 31. März sagen. Dann wird die Wahlbehörde mit der Prüfung der bis 26. März eingegangenen Unterstützungsunterschriften fertig sein und die Entscheidung bekannt geben, wer definitiv auf dem Stimmzettel stehen wird.

Bis dahin legt sich noch eine Reihe potenzieller Bundespräsidenten ins Zeug, um jeweils 6000 Unterstützer zu finden. Wolfgang Pöltl etwa, Betreiber einer Sexhotline, wartet immer wieder mit neuen Ideen auf. So soll unter all seinen Unterstützern ein Auto verlost werden, sobald diese zumindest eine Gruppe von 6000 darstellen. Auch in Justizanstalten wirbt der 41jährige Steirer. Den dort einsitzenden Delinquenten will er seine Kandidatur schmackhaft machen, indem er jedem unterzeichnenden Häftling eine Begnadigung in Aussicht stellt.

Seinen Wahlhelfern zahlt er 5,45 Euro pro gesammelter Unterschrift. Unmut über das ausbleibende Interesse seitens des ORF verbindet ihn mit seinem oststeirischen Mitbewerber, Martin Wabl: ein Bezirksrichter, der bereits vor sechs Jahren an der 6000er Hürde scheiterte. Der frühere SP- und Grün-Politiker will Österreich nach außen vertreten, Anlaufstelle für Bürger sein aber auch Vermittler in politischen Konflikten.

Wenig Hoffnung auf das Amt des Bundespräsidenten macht sich die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin Irene Schober, die sich selbst als programm-, mittel- und arbeitslos beschreibt. Kandidieren will sie dennoch. Eigentlich hätte sie Päpstin gereizt, "aber die Stelle ist noch nicht frei". Am 26. März plant die gebürtige Innsbruckerin und Wahlsteirerin in Graz eine sogenannte "Wahlschlappen-Schlussveranstaltung", mit deren Eintrittsgeldern die 42-Jährige die Telefonkosten ihrer Kampagne abdecken möchte.

Etwas engagierter geht der 51-jährige Tiroler Anlagenmonteur Franz Plank aus Wiesing im Bezirk Schwarz das Projekt Bundespräsident an. Er versucht nun, die Financiers von Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler für sich zu gewinnen. Bisher kann er nämlich nur mit einer Unterstützungserklärung aufwarten.

Mit einem "lockeren Umgang mit der Verfassung" will der "emeritierte Anwalt" Arthur Harald Lambacher (Jahrgang 1965) aufräumen. "Unsere Republik wird äußerst rechtswidrig regiert. Die Verfassung steht Kopf." Konkret stört Lambacher die seiner Ansicht nach falsche Lesart der Verfassung, was die Kompetenzen des Bundespräsidenten anbelangt. "Ich würde das Präsidentenamt zu dem machen, was es wirklich ist, nämlich ein sehr starkes Amt, mit dem in den USA vergleichbar." Unterschriften sammelt er gar nicht erst, weil er die Anforderung für verfassungswidrig hält. Wie auch Pöltl hat er eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof gegen dieses Gesetz eingebracht.

Bewerberin Dorothea Anna Gaia-Herzog (60), selbstständige Immobilienmaklerin aus Wien, hat sich schon Gedanken gemacht, was sie als Bundespräsidentin anpacken möchte. Als erstes werde sie die Bundesregierung entlassen. Diese sollte man "durch Menschen ersetzen, also keine Politiker mehr". Sonst möchte Herzog die Reichen ärmer machen und die Armen reicher. Trotz des ehrgeizigen Vorhabens, das sie mit den Kompetenzen einer Bundespräsidentin durchaus für umsetzbar hält, will sie aber nur "Teilzeitpräsidentin" sein.

Eine ähnliche Vorstellung hat Philosoph Peter Wurm Fischer und Ferrero-Waldner unterbreitet. Nach dem Prinzip der "politischen Partnerschaft" sollen die beiden sich das Amt teilen und gemeinsam Entscheidungen fällen. Ob sie davon angetan sind, will Wurm aber erst in zwei Wochen verraten.


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